Beiträge vom April, 2008

Die Lizenz zum Branden

Dienstag, 29. April 2008 21:03

Die Hauptsponsoren der Euro 2008 sind ja bitter, bitter enttäuscht weil einfach niemand über die Fußball-EM redet. “”Die Bewerbung findet einfach nicht statt. Das ist ärgerlich, weil die EURO eigentlich eine einmalig Chance für die Wirtschaft wäre”, meint da etwa der Chef von PayLife. Ich muss ihm jetzt vielleicht insofern Recht geben, dass ich bisher noch nicht einmal wusste, dass es eine Bank namens PayLife überhaupt gibt.

Aber da jetzt nur den Veranstaltern die Schuld zu geben,… ich glaube, damit macht der Herr es sich etwas zu einfach. Vielleicht hat er sein Geld einfach nicht gut eingesetzt.

Ich empfehle fürs nächste Mal: Kaufen Sie sich doch nicht die langweilige Fläche direkt unter dem offiziellen Logo. Kaufen Sie sich doch einfach die Lizenz für eine TopfenGoalatsche!

Topfen Goalatschen

Ich wette, das kommt viel, viel billiger. Und falls Sie sich eher international ausrichten möchten und deshalb einen Bogen um lokale Spezialitäten machen wollen: Geknabbert wird doch überall. Wie wäre es mit “Champions”, einer Art Pom-Trix&Flix?

Official Licensed Pom-Trix&Flix

Meine Damen und Herren von PayLife, ich bin sicher, wir werden noch jede Menge anderer Beispiele finden, wo ihre Konkurrenz es geschafft hat, trotz medialer Euro-Flaute ein bisschen Profit aus der Sache zu schlagen.

Ich werde meine Augen offen halten, und wenn mir noch was unterkommt,… ich werde es nicht für mich behalten. Falls mir wer helfen mag: Sachdienliche Hinweise bitte hier ins Forum oder auch per Mail an euro2008.licensed@elab.or.at

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Tag That!

Montag, 28. April 2008 22:46

Ich lass mich von Werbung ja gerne inspirieren. Da gefällt mir etwas, und dann will ich es haben. Ich mach mir da nichts vor, ich bin da ziemlich einfach gestrickt. Und ich hab irgendwie das Glück, dass mir eher Dinge gefallen, die ich mir auch ganz gut leisten kann. Also meistens keine Autos. Wobei ich schon merke: Auch da ändern sich die Zeiten.

Jedenfalls hab ich, angefixt vom großartigen Axe Dry Spot, mit der langen Tradition der Deo-Roller gebrochen und zum Body Spray gewechselt.

Scheinbar bricht gerade eine sommerliche Proll-Phase über mich herein. Hoffentlich stolper ich nicht über Goldketterl beim Teleshopping.

[Und falls hier noch wer das Ding schon mal ausprobiert hat: Es würde mich wirklich sehr beruhigen zu erfahren, dass ich nicht der einzige Mensch auf Erden bin, der gezählte zehn Minuten gebraucht hat, um die Dose zum Sprühen zu bringen!]

Tag That!

Andererseits: Vielleicht hat das auch gar nichts mit simpel gestricktem Möchtegern-Proll zu tun. Vielleicht bin ich einfach wehrloses Opfer der perfiden Unilever-Marketing-Abteilung, die Dr. Stay Dry, seineszeichens Testimonial der Axe Dry-Reihe, als lebendiges Product Placement in auf den Laufsteg meiner Lieblings-Castingshow geschickt haben.

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Markus beim Marathon

Sonntag, 27. April 2008 12:53

Nachdem hier offensichtlich gerade Sportwochen ausgebrochen sind, kann ich das Großereignis dieses Wochenendes natürlich auch nicht unbeachtet lassen. Der Vienna City Marathon hat heute nicht nur den Verkehr lahm gelegt, sondern auch 30.000 Menschen dazu gebracht, in aller Herrgottsfrüh aufzustehen und zum Start bei der Reichsbrücke zu fahren. Also 30.001, weil ich war ja auch dabei.

Im Gegensatz zu einem lieben Kollegen, den ich zwar im Getümmel nicht gesehen habe, der aber zumindest vor hatte mitzulaufen, war ich ja eher auf der gemütlichen Seite unterwegs und verfolgte das alles vom Straßenrand.

 Und da wurde ich Fan von einem Ding, von dem ich bisher nichts gehört hatte: Dem Schlusswagen. Der Schlusswagen - das hab ich heute Nacht auf der Website des VCM gelernt – fährt in einer konstant niedrigen Geschwindigkeit die Strecke ab und bildet sozusagen das Ende des Feldes. Fällt ein Läufer oder eine Läuferin hinter den Schlusswagen zurück, dann hat sie insofern Pech gehabt, als hinter dem relativ sofort alle Straßensperren aufgehoben werden und man sich somit augenblicklich an die Straßenverkehrsordnung halten muss.

Wird man also vom Schlusswagen überholt, muss man also bei jeder Ampel warten bis es grün wird, muss runter von der Straße auf den Gehsteig,… Da geht dann nichts mehr von wegen das Feld von hinten aufrollen oder so. Entsprechend dramatische Szenen hatte ich mir erwartet.

Schluss mit lustig

Der Schlusswagen fährt allerdings tatsächlich derart langsam, dass ich ihn erstens nur einmal kurz zu Gesicht bekommen hab (und da waren scheinbar noch alle in Top-Verfassung und sind dem ziemlich locker davongelaufen), und zweitens das Gefühl hatte, dem kann man mit ein bisschen gutem Willen auch davongehen. Ein eigenes Spiel im Spiel daher auch das herzhafte Anfeuern des Schlusswagens: “Wos is oida? Zah on!” – Ich möcht da ja nicht drin sitzen.

Danke der verwinkelten Streckenführung schafft man es zu Fuß auf direktem Weg ja locker, schneller im Ziel zu sein als die LäuferInnen. Und Zieleinläufe von Laufveranstaltungen kann ich ja sowieso nur empfehlen. Ich war letztes Jahr schon bei dem vom Wiener Frauenlauf, da ist dann immer herrliche und ganz gelöste Stimmung. Alles voller Heldinnen.

 Business-Handy

Sehr schön wars. Aber zwei Anregungen an die Veranstalter hätte ich:

1. Es ist schön, auch junge Menschen zum Sport zu bringen (hab ich das eben gesagt?), und es ist wichtig, Sponsoren zu finden. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die 15-jährigen, spätpubertären Mädchen vom tele.ring-Staffellauf mit ihrer “Weg mit dem Speck”-Startnummer wohl gefühlt haben. Ausgesehen haben sie nicht so.

2. Es kommt etwas komisch, wenn man bei der Musik im Zielbereich – nach Robbie Williams, Duffy und Also sprach Zarathustra – genau in dem Moment Rose Laurens “Africa” spielt, in dem fünf Kenianer in Folge durchs Ziel laufen. Und wenn schon, dann hätt ich auch gern irgendein Karpaten-Lied gehört, als die Rumänin als beste Frau das Ziel erreicht hat.

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Bring en hei!

Samstag, 26. April 2008 22:42

Da hab ich mir jetzt was angefangen. Songs zur Fußball-EM. Das ist ja alles ganz unglaublich. Um es kurz zu machen: Reinhard Fendrich singt einfach so. Ohne offiziellen Background. Die Geschichte ist damit auch schon zu Ende. Klingt auch nicht so, als würde man das oft hören.

BaschiAber es gibt eine echte Eurovisions-Hymne. Von Baschi nämlich. Baschi? Ja, Baschi. Der ist Schweizer und hat dort 2003/04 bei der ersten Staffel von MusicStar mitgemacht. Das ist eine Schweizer Variante von Starmania. Er hat zwar nicht gewonnen, ist aber trotzdem super erfolgreich (das hat er jetzt wieder mit Christina Stürmer gemeinsam, die ja auch einen EM-Song macht. Voll crazy!) und er hat schon zur Fußball-WM 2006 in Deutschland den Song “Chum bring en hei!” abgeliefert. Das bedeutet natürlich auch, dass ich mich hiermit zwangsweise als Voll-Nicht-Auskenner oute. Weil ich hab davon bis jetzt gar nichts mitgekriegt. Wer die letzten zwei Jahre über irgendwo Schweizer Fußball-Fans gesehen hat, kennt die Geschichte wohl schon. Egal.

Den Schweizern und -innen gefällt das immer noch so gut, dass es auch zwei Jahre später noch die Titelmelodie der Schweizer Hälfte der Fußball Doku-Soap “Das Match” (also: “Der Match“) wurde. Und -- ha! -- offizielles EM-Lied der Schweiz. Könnte uns jetzt eigentlich egal sein, weil war es ja 2006 auch. Könnte es, wenn da nicht zwei Kleinigkeiten wären. Erstens: Mario Lang (auch mal bei Starmania gewesen, der junge Mann mit dem komischen Blick, ihr könnt euch erinnern), hat das “übersetzt” und singt eine normal-deutsche Version, “Bring ihn heim”. Einen gemeinsamen Auftritt der beiden gabs dann neulich bei der Verleihung der Amadeus-Awards. Das Video ist glaub ich eher von Mario-Fans…

Aber gut, das war erst Erstens. Zweitens, und das ist wohl nochmal breitenwirksamer: Oliver Pocher macht das auch. Bei ihm heißt das dann “Bringt ihn heim”. Mit T. Ich hasse Oliver Pocher. So sehr, dass ich es grad komisch finde, dass ich das auf dieser Seite noch nie wo untergebracht habe. Das wäre hiermit also auch erledigt.

Und nachdem ich mir jetzt alles ein paarmal angehört hab: Diesem Lied -- egal in welcher Variante - werden wir wohl alle miteinander nicht entkommen.

Ich bin übrigens unterm Strich natürlich für die Original-Version von Baschi. Und weil wir vorher schon beim Thema seltsame Pressetexte waren: “Offenheit und ein gesundes Selbstbewusstsein gehören für den jungen Künstler zum natürlichen Selbstverständnis eines jungen Schweizers wie Brot und Käse zum Fondue.”

Baschi veröffentlicht Songs, die heißen “Fürs Volk”, “Heimat” und “Bereue Nüt”. Das wirkt jetzt natürlich erstmal ausgesprochen seltsam. Aber dann gibts da auch so interessante Song-Texte wie diesen:

Ich wär so gern e Pornostar us de 70er Johr
Ich würd so gern e Sekte ha wo’s nur um’s Bumse goot
Ich, nume ich, wär dr einzig Maa wo immer cha
Ich hätt so gärn e fette Charre, fett Chohle und es paar at Ohre

Wenn das Gott wüsst, er würd vom Himmel gheie
mir dr Sack langzieh und dr Schwanz umdräihe
Wenn das Gott wüsst, er würd d’ Wält versänke
jedem Mänsch uf dere Wält e Tripper schänke

Anhören kann man sich das alles am besten auf seiner Website.

Irgendwie mag ich den.

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Shaggy, I Hoi Di Mit Meim Traktor O

Samstag, 26. April 2008 20:44

Ha, da denkt man mal, man kennt sich aus, und dann stellt sich raus, dass das alles irgendwie ganz anders ist. Also was heißt anders,… komplizierter halt als gedacht. Das mit den EM-Songs, den “offiziellen”. Reinhard Fendrich hat einen offiziellen EM-Song, Christina Stürmer hat einen offiziellen EM-Song, wahrscheinlich haben noch viele andere einen von dem ich noch nichts weiß. Sicher hat aber Shaggy ZWEI.

Jawohl. Nach Shaggy feat. Trix & Flix (“Superstar”) gibt es noch einen neuen. Der wurde erst die Tage präsentiert, ich hab das am Rande mitgekriegt und mir gedacht, das ist der den ich schon kenn. Aber inzwischen weiß ich: Nein. Ist er nicht. Das offizielle Lied zur Fußball-EM der Männer 2008 (dieser Woche) heißt “Feel The Rush”.

Guckst du da:


Shaggy – Feel the Rush (Offizieller EM Song) – MyVideo

Und ja. Kein Trix, kein Flix, keine unbewohnten Häuser. Dafür jede Menger Österreich-Klischees, die aus der Feder eines Karl Moik stammen könnten.

Shaggy startet im Video nämlich in der Karibik. Lebensfreude, Strand, Sonne, alles da. Die Klischees also wohl genauso dumm gewählt, aber sympathischer. Dann fliegt Shaggy nach Österreich (warum auch immer) und am Ende gibts dann Most aus einem grünen Keramik-Krug (wenigstens kein Gmundner), einen Empfang wie in Franz Antels 60er-Jahre Komödie “Im Schwarzen Rößl” und eine dazupassende Fahrt mit Traktor und Anhänger. Wie man halt Menschen transportiert in den … ähm … Alpen.

Das Video hier endet nach zweieinhalb Minuten. Vielleicht passiert am Ende ja noch etwas sehr Versöhnliches. So würde ich es Shaggy jedenfalls nicht verübeln, falls er schnell die Sonnenbrille wieder aufsetzen und zurück ans Meer jetten würde. Pörtschach, genau. Wollte ich auch immer schon mal hin.

Da hat die Kärnten-Werbung also ordentlich Geld in die Hand genommen, und kommt damit auch schon zu ihrem zweiten Auftritt hier. Und weils eines der Top-Deppaten-Enden eines Pressetextes ist, auch das noch:

Warum gerade der Jamaikaner Shaggy den Song zur EM singt, erklärten die UEFA EURO 2008[TM] Maskottchen Trix und Flix so: “Er ist einfach unser absoluter Lieblings Sänger und hat den Rhythmus im Blut den man haben muss, um toll Fußball zu spielen.”

Das ist ja nicht mal irgendwie logisch.  Volltext gibts hier, inklusive einem Stückerl echter Aufklärung: “Feel The Rush” ist der offizielle UEFA EURO 2008™ Mascots Song. Was das vom Fendrich ist, find ich auch noch raus.

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Alles Fassade

Freitag, 25. April 2008 22:57

Es rumort die Wiener Seele immer dann, wenn beim Aufstehen irgendetwas nicht mehr ganz genau so ist, wie am Abend davor. Und so gesehen mutet die Stadt ihren BewohnerInnen gerade ordentlich was zu. Der Prater hat einen neuen Eingang gekriegt. Heute frisch eröffnet. Darüber ist schon im Vorfeld viel geschimpft worden. Ich war dort, und der ist wirklich schirch.

Weil das der alte aber auch war (und darüber braucht man gar nicht lange zu streiten) kann man sich genau darüber nicht wirklich aufregen. Sich nicht aufregen können geht aber in Wien gar nicht. Also braucht es was anderes. Und das war leicht gefunden: Der neue Eingang zum Prater ist nämlich “nur Fassade”. Pfui!

Eröffnungsparty

Und es stimmt. Es ist alles nur Fassade, und die zitiert eine Zeit, die es so nie gegeben hat. Man hätte das alles natürlich auch völlig anders gestalten können, wahrscheinlich sogar sollen. Allerdings darf man eines nicht vergessen: Indem man den Vorplatz vom Riesenrad mit einer Pappmaschee-Welt eingerahmt hat, hat man es in einen historisch gar nicht so unrichtigen Kontext zurückversetzt. Als das Riesenrad nämlich 1897 errichtet wurde, befand sich auf der Kaiserwiese, also direkt davor, ”Venedig in Wien“, ein auch kommerziell höchst erfolgreicher Themenpark, der nichts anderes tat als Venedig nachzubauen. Kanäle und Gondeln inklusive. Alles Fassade versteht sich.

Venedig in Wien

Dass dem Wurstelprater ein aufpolierter Eingang seinen halbseidenen Ruf streitig machen kann, möchte ich mal stark bezweifeln. Da ginge allerdings dann wirklich was verloren. So fügt sich die neue Kulisse an Hässlichkeit aber erstmal ohnehin nahtlos ins Bild. Es wird ja wohl bitte niemand behaupten, dass (die stillgelegte Holzrutsche am anderen Ende mal ausgenommen) irgendetwas im Prater schön wäre. Wozu denn auch. Hauptsache bunt, schnell und laut. Da passt schon alles so wie’s ist.

[Man merkt, ich bin schon in der Vorstufe zum raunzenden Wiener. Finden, dass alles so passt wie es ist, ist wohl eine notwendige Voraussetzung um gegen Veränderung zu sein...]

Aber jedenfalls eines noch: Dass fünfzehn Minuten nachdem ich wieder in meiner Wohnung sitze zur Feier des Tages ein riesiges Feuerwerk abgelassen wird, wovon ich kurz vorher – am Ort des Geschehens – aber sowas von nicht informiert worden bin, ist schlicht und einfach eine Frechheit. Wie wärs beim nächsten Mal mit einem kleinen Schild? Großes Feuerwerk, heute 22 Uhr? Ist das zuviel verlangt? Ich kann ja hier nicht um die Ecke schaun…

Nur Fassade

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