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What we got here is a failure to communigayt

Kärnten ist wunderschön. Leider lernen das auch die Heerscharen an Nachwuchs-Eventmanagern und -innen in ihren Eventmanagement-Schulen. Und so setzt die Wörthersee-Region immer wieder noch eins drauf, auf den eh schon kaum noch überblickbaren Promo-Berg.

Ich stell mir das inzwischen ja so vor, dass man dort den Sommer über von einer Fete Blanche zur nächsten hetzt und zwischendurch ein bisschen am GTI-Treffen oder bei einem Beach-Volleyball-Turnier vorbeischaut. Die Wörthersee-Website führt im Moment 40 “Top-Events“. Normale “Veranstaltungen” noch gar nicht mitgerechnet. 

Ein Eldorado für Promoter-Tussis (männliche und weibliche) also. Deswegen war es wohl auch nur eine Frage der Zeit, bis endlich die gefinkelten Agenturen der Abteilung Pink-Marketing in Richtung Kärnten schielen.

Der deutsche Veranstalter Communigayte hat zugeschlagen und beschlossen, sich in die reaktionären Kärntner Nesseln zu setzen und stampft Mitte September (wenn die Kinder wieder beschützt in der Schule sitzen) ein Pinkwave (wow!) aus dem Boden. Dass man sich lokal noch ein bisschen schwer tut mit der neuen Zielgruppe, zeigt vielleicht das Bild, das die KollegInnen von kaernten.orf.at zur Illustration ihrer Geschichte “Im Herbst Gay Festival am Wörthersee” gewählt haben. Ob die erwarteten 3000 schwulen und lesbischen(?) Gäste alle in transparenten Hotpants und mit weißen Engelsflügerl anreisen werden. Naja, vielleicht ja eh wirklich.

Auch Hot Pants

Bezahlt wird jedenfalls unter anderem von der Kärnten Werbung, der Wörthersee Tourismus Gesellschaft und der Gemeinde Pörtschach. Die alle konnten die communigayter mit ihrer Liste der “10 guten Gründe für Gay Community Marketing” überzeugen. Dieses mächtige Instrument will ich hier deshalb auch niemandem vorenthalten:

  1. Die Gay Community in Deutschland ist eine sehr große Zielgruppe.
    Schätzung gehen von mindestens 5,5 Millionen aus.
  2. Die Gay Community ist eine sehr finanzstarke Zielgruppe mit einem
    hohen, verfügbaren Einkommen.
  3. Gays haben ebenfalls mehr „verfügbare Zeit” als Heterosexuelle.
  4. Die Gay Community hat das Verlangen nach werblicher Ansprache (im
    Gegensatz zu Mainstream-Konsumenten, die sich von
    Marketingaktivitäten eher belästigt fühlen).
  5. Gays sind sehr markentreu – besonders wenn sie direkt angesprochen
    werden.
  6. Gays sind Trendsetter („Early Adopters“).
  7. Die Gay Community ist eine selbstbewusste, kommunikative und
    einflussreiche Zielgruppe („Out and Proud“).
  8. Die Gay Community kann als Zielgruppe sehr präzise und
    kosteneffizient mit fokussiertem Marketing erreicht werden.
  9. In den USA betreiben viele Fortune 500 Unternehmen aktiv und
    erfolgreich Zielgruppenmarketing mit der Gay Community – und das
    bereits seit einigen Jahren.
  10. Mit COMMUNIGAYTE haben Sie jetzt den Partner mit der Erfahrung
    und Kompetenz, die Sie benötigen um Ihr Produkt erfolgreich an die
    Gay Community zu vermarkten.

Von diesem 10-teiligen Zauberspruch lässt sich also die ihre grundkonservative Kärtner-Seele an den Meistbietenden verkaufende lokale Tourismusindustrie bannen. Sollte man sich unbedingt merken!

Weil die Gegend aber bei aller Seltsamkeit doch irgendwie immer noch in Österreich liegt, ist der lokale Platzhirsch natürlich nicht weit. Die Pink Marketing Gmbh hat die Vermarktung übernommen und verspricht Schlimmes: “Eine ausgeklügelte Kampagne, in der neben den klassischen Werbemitteln im Print- und Online-Segment auch einige Beyond-the-line Elemente enthalten sind, läuft bereits an und hat ihre Schwerpunkte im April sowie in den Sommermonaten Juni und Juli.”

Da kommt also wohl noch einiges auf mich Kern-Zielgruppe zu. Und womit soll ich meine gewonnene Gay-Zeit auch sonst verplempern als mit dem Betrachten von durchgeknallten Zielgruppen-Klischees.

Aber meine Damen und Herren Homo-Markt-ForscherInnen, ich sage euch eins: Da könnt ihr noch so oft “alle Gays, Lesben, Bisexuelle und Transgender sowie Freunde der Community” einladen. Ich hasse euch. Auch dafür, dass ich mich beim ersten Aufmupfen irgendeines homophoben Dumpfnasen-Kärnters der Einfachheit halber sofort auf eure Trottel-Seite schlagen muss.

1 Anwort auf „What we got here is a failure to communigayt“

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