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Euro 2008: Jugendgefährdende Zungen

Der Werberat. Schön dass es ihn gibt. Kann doch jeder Mann und jede Frau dort den eigenen Unmut über Spots und Plakate zum Ausdruck bringen, die über die Strenge schlagen. Und ja, deren gibt es so einige. Also wirklich und aus tiefsten Herzen: Schön dass es ihn gibt.

Heute hat er nun eben jene Werbung “verurteilt”, die ich eben gerade hier noch groß angepriesen habe. Das Deutschland-schmust-mit-Österreich-Sujet von bet-at-home.at, produziert (oder muss man jetzt sagen “verbrochen”) von der Wiener Agentur gantnerundenzi. Es vernachlässige die Vorbildfunktion und soziale Verantwortung von Werbung gegenüber Kindern.

“Ah, Sportwettenwerbung wird wohl nicht mehr gern gesehen”, hab ich mir gedacht. Spielsucht und so. Das wär ja noch ein bisschen einleuchtend gewesen, aber nein. Es war ganz anders. Dieses Plakat:

Gefährlich

ist gefährlich! Der Spruch des Österreichischen Werberates im Wortlaut:

“Werbung steht im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Damit hat sie eine gewisse Vorbildfunktion. Ungeachtet des grundsätzlichen Rechts auf Meinungsäußerung trägt Werbung soziale Verantwortung (siehe auch Selbstbeschränkungskodex Absatz 1.1. sowie 1.2.). Laut Entscheidung des ÖWR widerspricht das Sujet den ethischen Grundsätzen der Werbung. Gerade Werbung im öffentlichen Raum hat auch auf die Zielgruppe der Kinder, auf deren Reife und Lebenserfahrung, Rücksicht zu nehmen, da die Art und Weise, wie Kinder Werbung wahrnehmen und auf Werbung reagieren, vornehmlich davon abhängen und ungewollte Nachahmeffekte hervorrufen können.”

Na Gott sei Dank ist das noch rechtzeitig wem aufgefallen, bevor sich ganze Kindergartengruppen bunt anmalen und sich gegenseitig die Zunge in den Mund stecken. Wo sie ja auch jetzt längst nur noch in Spitzenunterwäsche auf dem Skateboard stehen und sich mit Amor-Flügeln, Pfeil und Bogen aus Hochhäusern stürzen, weil sie glauben, sie landen auf einer Wolke und können dort Frischkäse essen und Playstation spielen.

Man kann beim Werberat übrigens nicht nur online Beschwerde einreichen, sondern auch alle Beschwerden nachlesen. Wenns mal langweilig ist: Das ist immer ein Hort der Freude. Wobei schon nochmal gesagt sei, schön dass es ihn gibt.

Okto werde ich wegen seiner Wuzzl-WM aber wohl oder übel gleich die ganze ProLife-Armee auf den Hals hetzen müssen. Das ist ja praktisch Mord:

Sehr gefährlich!

2 Antworten auf „Euro 2008: Jugendgefährdende Zungen“

Ich hab’s gewusst! Letzte Woche stand ich (im Bus) mal länger vor einem dieser Plakate und dachte mir noch: “ich muss unbedingt wieder mal beim Werberat vorbeischaun – ich fress nen Besen, wenn das keine Beschwerde gibt.” Hab leider total vergessen. Danke für die Erinnerung! :-)

Witzig, dass der Zungenkuss gesellschaftlich schädlicher eingestuft wird als die Werbung für Sportwetten. Amerika, wir kommen! ;-)

bei dem plakat wär ich nie und nimma auf die idee gekommen. das blöde ist ja, dass der werberat nicht einfach “ah geh, das passt schon” sagen kann. also scheinbar.

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