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Schauspieler und Schauspielerinnen und SchauspielerInnen

Meine Uni-Karriere als Student dauert inzwischen ja schon länger als die der meisten Lehrenden, mit denen ich es da so zu tun hab. Darüber will ich ja gerne den Mantel des beschämten Schweigens breiten. Aber manchmal, ja manchmal gibt’s dann doch immer noch Überraschungen und Dinge, die Spaß machen. Im letzten Semester war das ein Seminar mit dem harmlosen Titel „Lernen mit Erwachsenen“, gehalten von Wolfgang Knopf.

In dem Rahmen hab ich dann eine Idee umgesetzt, die mir eh schon ein bisschen länger im Kopf rumgeschwirrt ist, eine kleine Übung zum Binnen-I nämlich. Geschlechtergerechte Sprache und so, den meisten dürfte das bekannt sein. Das hab ich nicht erfunden, die zugehörigen Studien (s.u.) stammen aus den Jahren 2000 und 2001 und werden in dem Zusammenhang eh immer wieder zitiert. Grob gesagt geht es darum festzustellen, wie sich das sogenannte generische Maskulinum auf die Wahrnehmung auswirkt. Also: Wenn ich zum Beispiel „Schauspieler“ sage, werden dann auch Schauspielerinnen mitgedacht oder eben nicht.

Ich hab also diese Untersuchungen gemeinsam mit meinem Kollegen Andreas Reiter etwas abgewandelt und nachgebastelt. In insgesamt 47 Durchgängen haben wir dann im vergangenen Mai im Innenhof der Universität Wien verschiedene Aufgaben gestellt: „Nenne möglichst viele Schaupieler“, „Nenne möglichst viele Schauspieler und Schauspielerinnen“ oder „Nenne möglichst viele SchauspielerInnen“. Wir gaben jeweils 15 Sekunden Zeit. Und heraus kam das:

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[ © Markus Zachbauer und Andreas Reiter / trainerei.at ]

Drei Tage nach der Präsentation hat sich dann mein Laptop verabschiedet. Und diese damals erste Rohfassung ist im Moment alles was – abgesehen vom Rohmaterial – von der ganzen Sause übriggeblieben ist. An dieser Stelle also eine kleine Erinnerung an alle: Backups machen!!!

Eigentlich wollte ich das deshalb alles auch nochmal schneiden, bevor es irgendwo online geht. Jetzt hab ich aber heute auf datenschmutz gesehen, dass dort dem Splitting ab sofort abgeschworen werden soll. Feuer am Dach des Binnen-I also. Da muss nun doch die Rohfassung herhalten.

Und zur Verdeutlichung auch noch der eingescannte Ausdruck der damaligen – ebenso verlorengegengenen – Powerpoint-Präsentation:

Jeder Schwarze Punkt zeigt die Frauen-Quote der Nennungen einer Testperson. Der Querbalken den Durchschnittswert (gewichtet nach Zahl der Antworten), nämlich zuerst 30%, dann 40% und zuguterletzt beim Binnen-I sogar 58%. Das ist zwar über die Hälfte, liegt aber doch sogar am nächsten bei den eigentlich zu erwartenden 50.

Das Binnen-I mag ungewohnt sein (seltsamerweise immer noch), manche finden es sogar sehr hässlich. Der Duden hält es nach wie vor für illegal. Und bevor jetzt wem beim Schreiben vor Ekel die Finger abfallen: Es gibt ja noch jede Menge anderer Möglichkeiten, Medien geschlechtergerecht zu gestalten. Wer da Interesse hat, kann sich ja beispielsweise die Broschüre „Ich Tarzan – Du Jane?“ der Gewerkschaft VIDA mal durchlesen.

Einfach wieder so zu tun als wär die Sprache – was Gleichbehandlung betrifft – egal, geht aber inzwischen nicht mehr. Da sei dann unter anderen denen da gedankt:

Heise, Elke (2000): Sind Frauen mitgemeint? Eine empirische Untersuchung zum Verständnis des generischen Maskulinums und seiner Alternativen. In: Zeitschrift für Sprache und Kognition, 19 (1/2), 3-13

Stahlberg, Dagmar /Sczesny, Sabine (2001): Effekte des generischen Maskulinums und alternativer Sprachformen auf den gedanklichen Einbezug von Frauen. In: Psychologische Rundschau, 52 (3), 131-140

13 Comments

on “Schauspieler und Schauspielerinnen und SchauspielerInnen
13 Comments on “Schauspieler und Schauspielerinnen und SchauspielerInnen
  1. Immer wieder ein sehr schönes Beispiel!

    Am Besten gefällt mir ja das Pragmatismus Argument dass dann immer kommt, also „aus pragmatischen Gründen verzichte ich auf eine geschlechtergerechte Sprache/Schreibe“. Aus wirtschaftspragmatischer Sicht macht es nämlich auch keinen Sinn einfach so für gleiche Leistung gleiche Bezahlung zu geben. Aber das ist ja die böse Pragmatik ;-)

  2. Pingback: Ein sehr schöner Block der Österreicher durch Stefanie Schwaiger | Navigator of Ignorance

  3. Hab ja schon überlegt, generell die weibliche Form zu schreiben und die männliche „mitzumeinen“. Im Endeffekt sollte es ja wurscht sein und logischer ist es außerdem, weil in der weiblichen ist die männliche Form ja wirklich meistens drin.

    PS: Du hast doch nix dagegen, wenn ich mir die Einleitung, incl. Mantel, beizeiten klau… äh ausborge? ;-)

  4. *hüstel*, DAS wäre der geeignete Zeitpunkt, auf deinen Mantel zurückzukommen. (Ich seh mich aber mehr als Mäzen unseres Bildungssystems, man gönnt sich ja sonst nichts :-)

  5. Pingback: Ich bin Bronze! Und ich hatte ja gar keine Ahnung… | elab|or|at

  6. Pingback: Trainerei: Gruppendynamik und Gendersensibilisierung auf datenschmutz.net

  7. Danke für das Experiment und die Auswertung! Es ist für mich eine wichtige Referenz, um Leuten zu zeigen, dass das Binnen-I eben doch wichtig ist.

    Würdest du mir erlauben, das Bild unter der GPL zu nutzen? (wie cc by-sa, nur auch für Software).

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