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Erntedank

Zweimal im Jahr tummeln sich am Wiener Heldenplatz Lederhosenträger und -trägerinnen. Bei der Regenbogenparade und beim Erntedankfest des Bauernbundes. Und Amen, ich sage euch: Beides ist einen Besuch wert.

Erntedank ist ja ganz grundsätzlich einer der Feiertage, die ich schon recht früh verstehen und schätzen gelernt hatte. Das ist umso erstaunlicher, als ich ja ausgewiesener Gemüse-Skeptiker bin.

Ganz persönlich steh ich auch eher auf dem Standpunkt, dass der ganze Erntedank eher jenen gebührt, die das alles angebaut, großgezogen und dann vom Acker geholt haben, als irgendeiner übergeordneten Instanz, die Blitz und Hagel großzügigerweise halbwegs bei sich behalten hat. Aber jeder wie er mag. Und im Mittelpunkt des großen Wiener Erntedankfestes steht ja eigentlich dann eh nicht Gott, sondern die ÖVP.

Mich hat ja ein kleiner Hunger in die Stadt getrieben. Und dass ich mich plötzlich daran erinnert hab, dass ich vor ein paar Tagen bemerkt hab, dass der Heldenplatz mit Standeln zugebaut wurde. Das ist ja immer ein untrügliches Zeichen für Action in der Innenstadt. Hunger und Erntedankfest passen ja ganz gut zusammen. Sogar in der sekularisierten Thanksgiving-Variante, wie wir aus so ziemlich jeder jemals ausgestrahlten (amerikanischen) Sitcom wieder neu erfahren.

Am Heldenplatz gabs dann aber erstmal einen großen Umzug. Auch ganz wie bei der Regenbogenparade. Sogar ganz erschreckend so wie bei der Regenbogenparade.

Statt Right Said Fred und Kosheen gab’s dann halt ein Platzkonzert mit dem Musikverein Oberlaa. Das fand ich aber auch recht schön. Ebenso das anschließende kollektive Zerlegen der Wagenaufbauten. Wär ja Schade um die Blumen, die Weintrauben und das viele Gemüse, wenn das alles verderben würde. Also durfte sich dann jeder was davon runterreißen und mit nach Hause nehmen. Hab ich natürlich nicht gemacht. Weil Gemüsehasser. So schnell wechsel ich da auch wieder nicht die Seiten.  

Aber ich muss gestehen: Da gab es leckere Sachen. Ich kenn Erntedank-Feste von daheim ja eigentlich nur als Open Air-Gottesdienst im Trachtenoutfit mit ganz viel bäuerlichem Retro-Chic. Das alles gabs hier heute auch (Schau-Dengeln und Dreschschlegel dürfen da wohl nirgends fehlen), unterm Strich ist das in Wien aber eine große landwirtschaftliche Leistungsschau. Mit zwei kleinen Hallen, in denen sich Stand an Stand reiht und man mit allerhand Kostproben von Dingen versorgt wird, von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt. Es ist wirklich unglaublich woraus man so alles Schnaps machen kann…

Und während ich mich so von Weinviertler Käseproduzenten als potentieller neuer Stammkunde umwerben lies, stand plötzlich der Herr Molterer neben mir. Mitten im Wahlkampf, umringt von Fotografen und einer nicht näher bekannten Königin.

Da hab ich dann beschlossen, dass ich der Fairness halber heute doch auch noch aufs Donauinselfest gehn muss. Das alles schreit nach Deichkind.

3 Antworten auf „Erntedank“

find ich ja ein bisschen gewagt das in den alltaeglichen sprachgebrauch einzubauen. aber dein wille geschehe, mk.

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