Kategorien
Allgemein

Austria’s Next Topmodel: Brecht’sches Schaulaufen

Erst dachte ich ja: Das ist wohl nicht der Rede wert. Aber dann sind mir stellenweise doch die Augen aus ihren Höhlen gequollen. Model-Castingshows sind auf der ganzen Welt ein großer Erfolg. Und haben ihren Weg jetzt auch nach Österreich gefunden. Allerdings nur als kleiner Vorspann der ProSieben Ausgabe, die am 12. Februar starten wird. Man hat es also eilig bei Puls4. Immerhin darf die Siegerin dann in Deutschland mit an den Start gehen. Tick Tack Tick Tack. Und so wurden heute 100 Frauen auf Puls4 mit einer Ausfallquote von 90% durch die erste Show getrieben.

Die Auftakt-Show ist immer schwierig. Zugegeben. Aber das heute war am Anfang mal ein mittelguter Seitenblicke-Beitrag. Hatte wohl auch damit zu tun, dass Empfänge in der Hofburg immer mehr Society- als Castingshow-Esprit versprühen. Also wurden erstmal lang und breit Jury und Moderatorin vorgestellt, bis es dann endlich los ging und man sich gleich mal deutlich vom deutschen Vorbild abgrenzte. Hundert rot-weiß-rote Fahnen sollten da wohl zeigen was Sache ist.

Schaut ziemlich scheiße aus eigentlich. Und war für 70 der 100 KandidatInnen (mal abgesehen vom kurzen Einzellaufen und vor der Kamera nochmal an Hüfte, Po und Gesamtkörperlänge vermessen werden, weil “Es ist nicht wichtig, dass die Mädchen dünn sind, sondern dass die Proportionen stimmen”) auch schon wieder der letzte Auftritt bei Austria’s Next Topmodel.

Die Sache wurde nicht mehr viel besser. Ein Blick ins Model-Loft im Wiener Millenium-Tower (43 Stockwerke über der berüchtigtsten Großraumdisco der Stadt) und eine erste Modeshow am Cobenzl. Da bahnt sich eine kleine Sightseeing-Staffel an.

Sendung nacherzählen bringt ja so und so nichts, also keine Angst, das spar ich mir. Aber man muss schon sagen, irgendwie hat das alles sehr so ausgesehen, als würde die 3c, Mädchenklasse einer Handelsschule in der West-Steiermark, auf ihrer Wien-Woche eine Runde Topmodelshow spielen. Recht ernst zu nehmen war das dramaturgisch nicht. Brecht’sches Schaulaufen irgendwie, wenn man es ganz, ganz gut mit der Show meint.

Und dass die große Modeshow des Wiener – ähm, ja eh – Szene Designers Thang de Hoo vor der atemberaubenden Publikumskulisse Ein-Fotofraf-und-drei-Jurymitglieder stattfand, machte die mickrige Pyro-Show im Hintergrund nicht spektakulärer. Toi, toi, toi den Bücher-SchreiberInnen für die nächsten Folgen. Da ist noch Platz nach oben. Am Menschenmaterial würde es nicht scheitern. Breiteste Dialekt-Eskapaden, Tränen in Hülle und Fülle gleich in der ersten Folge und zwei, drei wirklich vielversprechende KandidatInnen. Ein bisschen Üben und das wird schon. Die Frage ist ob sich das zeitlich noch gut ausgeht.

Immerhin steht nächstes Mal aber ein garantierter Bringer auf dem Programm: Umstylen. Da werden die Mähnen fliegen, Haare umgefärbt, alle Piercings dauerhaft aus den Bauchnabeln entfernt und dementsprechend viele Nervenzusammenbrüche zu sehen sein. Ein Highlight jeder Staffel, da kann nicht viel schief gehen.

1 Anwort auf „Austria’s Next Topmodel: Brecht’sches Schaulaufen“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.