Kategorien
Allgemein

Yes, she can. Germany’s Black Topmodel.

Sara Nuru ist Germany’s Next Topmodel. Also in diesem Jahr. Dass sie dunkelhäutig ist, war nur ganz am Anfang der Staffel mal Thema, und ganz am Ende. Irgendwann in einer der ersten Folgen von Germany’s Next Topmodel hat Heidi Klum mal so ganz nebenbei gesagt, dass ihr ja gut gefallen würde, wenn auch mal ein dunkelhäutiges “Mädchen” bei GNTM gewinnt. Die müssen ja nicht immer so deutsch aussehen. Nicht wörtlich, aber sinngemäß. Und heute, beim Finale, schwenkte Saras Fanclub ein “Yes She Can”-Transparent.

Das war’s. Einfach kein Thema. Und nicht im Sinne von “da reden wir nicht drüber”, sondern mehr in “was gibt’s da groß zu reden”. Das ist eigentlich sehr, sehr sympathisch.

Jetzt ist es ja sehr schwierig, einer Sendung wie GNTM auch nur irgendwas gesellschaftspolitisch Positives abzugewinnen. Nicht umsonst hat Heidi Klum von Alice Schwarzers EMMA für ihre Show den nicht ganz rühmlichen Titel “Pascha des Monats” verliehen gekriegt. Trotzdem: Es ist jetzt schon das zweite Mal, dass mich das böse deutsche Privatfernsehen in seiner Härte, Themen mehr oder weniger unkommentiert in die Medien-Realität zu zerren, wirklich beeindruckt. Lorielle Londons Auftritt in der Dschungel-Show hat wohl um Potenzen mehr Menschen mit den Problemen Transsexueller konfrontiert als alle rührigen Dokus und Problemfilme davor gemeinsam. Und ganz ganz laut und deutlich: Nix gegen Dokus und Problemfilme. Die haben ihren Platz, der auch dringend besetzt und gefüllt gehört. Dass aber auf problematischen Hintergründen auch andere Dinge in den Fokus kommen können, braucht Menschen mit solchen Hintergründen auch in ganz seichten Geschichten. Und solang das nicht so ist, bleibt halt immer dieser Hintergrund der Fokus. Das nennt man dann vielleicht auch “auf die Hautfarbe reduziert”.

Natürlich: Kein Plädoyer dafür, kein Wort mehr darüber zu verlieren, dass die meisten Menschen, die optisch nicht ins Bild eines Mitteleuropäers oder einer Mitteleuropäerin passen, einige Lieder davon singen können, dass ihnen nicht alle Türen offen stehen und sie mit einem ordentlichen Packen an Vorurteilen zu kämpfen haben. Aber wenn’s um was anderes geht (und wenn’s auch sowas an sich ja durchaus Angreifbares wie eine Modelshow oder das Essen von Kakerlaken ist), dann tut’s ganz gut, sich auch auf das zu konzentrieren. I liked that. Und hab ab jetzt auch donnerstags wieder Zeit für vernünftige Dinge.

Ah ja, und Emiliana Torrinis “Jungle Drum” als Soundtrack zur finalen Dessous-Show war fast schon Indie. Das schönste am sonst wie erwartet eher mäßig spannenden Finale.

9 Antworten auf „Yes, she can. Germany’s Black Topmodel.“

bald ist schluss mit dem yogiorettentheater. spätestens wenn die familienpizzenindustrie diesen überbiss für sich entdeckt. (ich bin übrigens marie-hater)

ja eh, finale halt. da ist ja alles nur noch lieb, kein streit mehr, keine gemeinen zuspieler… der programmierte tiefpunkt jeder staffel.

ich bin auch begeisterter marie-hater. bei ihrer homestory hätte ich fast joghurette gekotzt!

Irgendjemanden muß es ja geben, der polarisiert, sonst schaut das ja keiner mehr…wobei ich es auch recht langweilig finde. reicht aus, sich am nächsten tag die presseartikel durchzulesen und schon ist man über alles, was man nicht wissen wollte, bestens informiert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.