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Wie wär’s mit einem Lawinenschwein-Erstaufnahmezentrum?

Menschen sind manchmal böse. Manchmal zu anderen Menschen, manchmal auch zu Viecherln. Das sollte so nicht sein. Wer einem Hamster einen Böller in den Hintern schiebt und dann die Zündschnur ansteckt: Böser Mensch.

Das mit dem Verzehr von anderen Lebewesen ist da in meinem Kopf schon so eine andere Sache. Da schlägt wohl meine Bauernhof-Kindheit durch, wenn ich das für recht normal, fast möchte ich schon sagen „natürlich“ halte. Wobei „natürlich“ ja andererseits nie mit „gut“ verwechselt werden darf. Aber ich weiß: Es gibt viele Argumente gegen den Verzehr von Fleisch. Interessanterweise ziehen aber auch da bei mir eher solche die mit CO2-Ausstoß und Welthunger. Ich bin sehr dagegen, ein Tier zu quälen (was bei Massentierhaltungen oft genug passiert, vielleicht ja sogar immer). Aber ich bin eigentlich nicht dagegen, ein Tier zu schlachten. Hallo? Schnitzel?

So gesehen ist es auch nur logisch, dass mir die Nachricht von den Lawinenschweinen, die mir so vor etwa einer Woche zum ersten Mal untergekommen ist, ein bisschen beim einen Ohr rein und beim andern wieder rausgewandert ist.

Schon beim Transport mit Beruhigungsmitteln versorgt sollten die unter Vollnarkose und an verschiedene Messinstrumente angeschlossen im Schnee vergraben werden.  Schaun, was denn da genau passiert.

Wenn das irgendetwas bei mir ausgelöst hat, dann ein „interessante Idee“. Aber ich wollte keine facebook-Gruppe zur Rettung der Schweine gründen. Nicht mal beitreten. Wenn man Schweine schon für den persönlichen Genuss zum Metzger zerren darf (und deswegen landen sie ja dort, verhungern würd ja niemand wenns nur Obst geben würde), dann sind ein paar gerettete Lawinenopfer ja wohl ein vergleichsweise erst recht guter Grund.

Das haben aber nicht alle so gesehen. Vier Pfoten, der Verein gegen Tierfabriken und die Bild-Zeitung waren sich einig: Das darf man nicht tun. Weil das „pervers“ ist (Bild), weil das „unfassbar“ ist (Vier Pfoten), weil das „nicht zu rechtfertigen ist“ (VGT). „Lassen wir die Kirche im Dorf, die Anzahl der Lawinenopfer ist völlig unvergleichbar mit der Anzahl der Opfer im Straßenverkehr“, sagt dessen Obmann. Als ob das Argument zählen würde, wenn man jedem Fiat Punto ein Ferkel zur Vergrößerung der Knautschzone unter die Motorhaube packen würde.

Den WissenschafterInnen ging es auch nicht in erster Linie darum, ein paar Schweine um die Ecke zu bringen, sondern darum herauszufinden, unter welchen Umständen es möglich ist, einen scheinbar Lawinen“toten“ ohne Folgeschäden langsam wieder aufzutauen. Wenn der nämlich erfriert bevor er erstickt, dann – so die die ForscherInnen – könnte so eine Behandlung durchaus Sinn ergeben. Oder anders: „Erweist sich unsere Theorie als stichhaltig, ist das der Beweis dafür, dass Verschüttete mit freien Atemwegen und einer Atemhöhle in Zukunft nicht mehr für tot erklärt sondern stattdessen wiedererwärmt werden müssen. Dies würde zu einem Paradigmenwechsel in der Therapie führen und zahlreiche Todesfälle könnten vermieden werden.“

Machen wir aus den „zahlreichen“ der Fairness halber „einen in fünf Jahren“. Mir würde das ehrlich gesagt schon reichen.

Der Boulevard stieg allerdings zu den TierschützerInnen auf die Barrikaden, und ein aufgescheuchter Tourismusverband bangte zur Hauptsaison um das schöne Image von Sölden (scheinbar hat auch 35 Jahre nach „Der Weiße Hai“ niemand begriffen, dass man nicht auf Tourismusverbände hören darf). Das Experiment musste nach 10 toten Schweinen abgebrochen werden. Um die restlichen (außer diesem einen vielleicht) kümmert sich jetzt der Tierschutzverein Tirol. Der sucht jetzt Plätze für die Überlebenden. Und wird wohl dafür sorgen, dass sie nie nie nie sterben.

Wie wär’s mit einem Lawinenschwein-Erstaufnahmezentrum? Ich bin mir sicher, die eine oder andere Gemeinde würde sich der lieben, armen, borstigen Hascherl erbarmen.

One Comment

on “Wie wär’s mit einem Lawinenschwein-Erstaufnahmezentrum?
One Comment on “Wie wär’s mit einem Lawinenschwein-Erstaufnahmezentrum?
  1. Krone: Ist das Abschlachten des Schweines seine Rache an ihnen?

    ???
    Ich würd ja sagen, es ist sein ehrlicher Brotberuf (oder muß es heißen: Speckberuf). Die Rettung des Planeten treibt wieder einmal komische Blüten.

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