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Die Klum, die Rosenkranz und Esther Vilard

Beide haben mehrere Kinde und sind beruflich erfolgreich. Und weil sie beide Frauen sind, ist das immer noch irgendwie bemerkenswert. Beide stehen präsenter im Rampenlicht als ihre Männer, obwohl die auch durchaus keine grauen Mäuse sind. Und trotzdem: Als feministische Aushängeschilder taugen beide nicht. Weder Model-Mama Heidi Klum, noch die Herrin aller Sondwendfeiern und Bundespräsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz. Die eine bekommt von Alice Schwarzer den Titel „Pascha des Monats“ verliehen, die andere schreibt sich mit „MenschInnen – Auf dem Weg zum geschlechtslosen Mensch“ gleich selbst ins anti-feministische Eck (vom sonstigen Unsinn den sie so von sich gibt jetzt mal ganz abgesehen).

Morgen ist Internationaler Frauentag, und man muss leider festhalten: Die medial vielleicht präsentesten Frauen der nächsten Wochen  (Barbara Rosenkranz steht mit den meisten Nennungen an der Spitze des Polit-Rankings von Media-Watch, Heidi Klums Modelshow erreichte zwar bei der ersten Folge letzten Donnerstag verhältnismäßig schwache Einschaltquoten von 18%, was aber – mich eingeschlossen – immer noch ein Millionenpublikum bedeutet) sind keine Speerspitzen im Kampf für die Gleichberechtigung von Frauen.

Natürlich, es hat viel getan in den letzten Jahrzehnten, viel Bewusstseinsarbeit wurde geleistet, viele Gesetze wurden geändert, und der Trend geht tatsächlich dahin, Ungleichbehandlungen (wenigstens in der Berufswelt) zu verbieten. Der Trend zumindest. In der Theorie zumindest.

Auf der anderen Seite lässt sich aber auch sehen, dass sich die Welt zwar weitergedreht hat, und natürlich ganz insgesamt nicht mehr die von vor 40 Jahren ist, sich am Verhältnis der Geschlechter aber unterm Strich herzlich wenig verbessert hat.

Vor 39 Jahren erschien Esther Vilards Buch „Der dressierte Mann“. In der Reihe „Fragen an den Autor“ sendete der Saarländische Rundfunk dann am 7. November 1971 eine einstündige Sendung zum Buch.

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Das ist ein interessantes Stück Zeitgeschichte. Sich das anzuhören, zahlt sich auf jeden Fall aus (aber bitte nicht mehr Anrufen, es ist eine Wiederholung!). Abgesehen vom etwas sperrigem Radio-Sprech der frühen 70er-Jahre finden sich da Argumente und Gegenargumente, die auch ein halbes Jahrhundert später immer wieder zu hören sind. Ein paar kurze Auszüge:

Frage: Frau Vilard, bevor wir weitere Anrufe hören, etwas zu Ihrer These, Sex würde von Frauen als Belohnung gewährt.

Das ist eben einer der ganz großen Vorteile, den die Frauen haben. Die Frauen haben ihren Sextrieb so gut konditioniert, dass sie weniger Wert auf Sex legen als die Männer, die […] ständig wieder herausgefordert werden. Sie sind also in einer Machtposition dem Mann gegenüber. Sie haben sozusagen das sexuelle Monopol.

Frage: Halten Sie es für völlig ausgeschlossen, dass Frauen ihre eigene Sexualität ebensoviel Freude macht und soviel Vergnügen macht wie den Männern?

Wenn das so wäre, dann gäbe es ja auch zum Beispiel Bordelle für Frauen. Aber die gibt es ja nicht.

Frage: Liegt das am Wesen der Frau oder liegt das nicht viel mehr an den Traditionen der europäischen Kulturgeschichte, wo wir doch beobachten müssen, dass wir vorwiegend mit Männergesellschaften, mit männerorientierten Gesellschaften zu tun hatten?

Ja, mit nach außen hin männerorientierten Gesellschaften, aber nicht nach innen hin. Ich denke, die Macht hatte schon immer die Frau. Aber es ist natürlich jetzt ein ganz akuter Zustand eingetreten. nach er Erfindung der Anti-Baby-Pille hat die Frau noch sehr viel mehr an Macht gewonnen als sie vorher hatte. Sie kann jetzt ihre Kinder bekommen von wem sie will und das ist natürlich etwas, was der Mann überhaupt nicht hat.

Etwas später dann die Frage eines Anrufers: Warum stellt sie eigentlich in ihrem Buch nicht besser heraus, dass es auch gerade die Dummheit der Männer ist, die in Verbindung mit der Dummheit der Frauen, ein ideales Verhältnis des Zusammenlebens und damit eigentlich auch die idealen Eheverhältnisse schaffen?

Es ist so: Die Männer sind auf eine ganz andere Weise dumm als die Frauen dumm sind. Die Männer sind dumm insofern als sie sich dressieren lassen, als sie ihre Intelligenz nicht dazu benutzen, sich selbst ein besseres Leben zu schaffen. Und die Frauen sind insofern eben dumm, als sie von nichts etwas verstehen, aber doch verstehen, und ihre Intelligenz besteht darin, die Männer für sich arbeiten zu lassen. Das sind eben verschiedene Definitionen von Dummheit und Intelligenz.

Das ist, was Mario Barth in Comedy packt, wenn der so tut, als müssten Männer shoppende Frauen über sich ergehen lassen. Das ist, was ProSieben in eine Fernseh-Show packt, wenn es Frauen Karrieremöglichkeiten auf der Männer-werden-für-Bilder-von-deinem-Körper-zahlen-Schiene verspricht. Und das ist, was Barbara Rosenkranz unbedingt erhalten will, wenn sie sich in „MenschInnen“ dagegen ausspricht, die Rollenbilder von Männern und Frauen aufzubrechen.

Und dass Alice Schwarzer, schon 1975 Esther Vilars Gegnerin bei der „Fernseh-Schlacht des Jahres“ (Bild-Zeitung), wahrscheinlich auch 2010 eine Top-Kandidatin aller TV-Redaktionen wäre, wenn sie eine Sendung zum Thema gestalten müssten, ist (bei aller nötigen Ehrerweisung an Frau Schwarzer) wohl auch eher ein Zeichen dafür, dass in dem Bereich der Fortschritt leider langsamer vonstattengeht als gedacht.

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