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Schon mal im Riesenrad steckengeblieben? Eilig darf man’s nicht haben!

Mittwoch, 24. Juni 2009 11:33

Als ich noch recht klein war, da hatte ich ein Buch, das wollte irgendwie der Struwelpeter sein. Da gab es dann eine Geschichte, in der ein Junge unbedingt auf den Rummelplatz wollte. Durfte aber nicht, weil Schule war. Was hat er gemacht? Er ist natürlich trotzdem hin, hat sein Jausengeld für eine Eintrittskarte ins Riesenrad hingeblättert und wollte eine Runde damit drehen. Und wer hätte das gedacht, es ist natürlich steckengeblieben. Mit ihm ganz oben in der Gondel. Er hat geheult und geschrien und wollte runter, aber nix da. Stunden später kam die Feuerwehr, hat ihn befreit und die Mama hat fürchterlich mit ihm geschimpft.

Dass Paulinchen im echten Struwelpeter verbrannt ist, war mir wurscht. Wenn sie nicht aufpasst… Der Suppenkaspar? Na klar verhungert man, wenn man nichts isst. Untouched. Völlig. Aber auf ein Riesenrad kann ich heute noch gut verzichten, so furchtbar fand ich das. Und umso hellhöriger bin ich geworden, als ich gestern am Abend irgendwo mitgekriegt hab, dass die Wiener Feuerwehr sich dieses Problems annimmt und genau so eine Übung am Riesenrad abhält.

Da steh ich dann sogar um 8 Uhr morgens auf dem Riesenradplatz und warte mit einer handvoll LokalreporterInnen darauf, dass es endlich losgeht. Und schön war’s. Man muss gar keine Angst haben. Nur Geduld und gute Nerven. Die Leiter reicht nämlich gar nicht – wie im Buch – bis ganz nach oben. Da klettert wer hoch und lässt dich dann runter. NACH EINER STUNDE!

Ob das jetzt immer stecken bleibt, wollte einer aus der Kindergartengruppe wissen, die geduldig drauf gewartet hat, dass die Übung aus ist, und sie mit dem Ding fahren können. “Brauchst keine Angst haben, jetzt haben sie ja geübt”, hat die Kindergärtnerin dann gesagt.

Willkommen im Club der Fahrgeschäftverweigerer, kleiner Mann!

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Trix, Flix, Goalix: Die EURO 2008 ist um ein Maskottchen reicher

Donnerstag, 5. Juni 2008 0:40

Inzwischen hat er sich weitgehen enthüllt, der Mann auf dem Wiener Riesenrad. Also, der Körper bleibt noch züchtig hinter Planen, aber was sich hinter den aufgespannten weißen Streifen verborgen war, ist bereits zu sehen. Es ist tatsächlich ein achtarmiger Tormann.

Goalix

Das entbehrt zwar jeglicher Logik und schaut recht billig aus, aber er wird wohl demnächst abertausende Erinnerungsfotos zieren. Allein im ja praktisch ums Eck eingerichteten Fancamp werden an die 3.000, zumeist deutsche, Billig-Camper untergebracht sein. Die werden wohl alle zumindest ein Handy mit eingebauter Digicam mithaben.

Und von wegen Fancamp. Heute wurden ein paar Details verlautbart, was die Gäste dort so erwartet: ”200 Toiletten, 100 Duschen und 76 Waschplätze, ein Internet-Cafe, eine Bäckerei, ein Fanshop, ein Friseur und Visagisten für die Fanbemalung”.

Visagisten für die Fanbemalung? Ich hatte ja keine Ahnung, wie eitel Fußball-Touristen sind! Vielleicht ja eine Einrichtung im Sinne der Gewaltprävention. “Spinnt du, wir können uns jetzt keine reinhaun, wir waren grad beim Visagisten, das verschmiert ja alles.” Irgendwie so?

Die Kaiserwiese ist als Fanmeile im Grünen jedenfalls für den großen Ansturm bereits voll und ganz gerüstet. Alles fertig eingezäunt, Gastro-Zelte stehen, Wachdienste mit schicken Schäferhunden rund um die Uhr.

Open Air Kino

Das wirkt im Moment etwas eng bemessen, wenn da wirklich 10.000 Menschen Platz haben sollen. Aber das wird sich schon ein schlauer Kopf durchgerechnet haben.

Wetterfest schaut aber natürlich anders aus. Nicht nur, dass man bei Regen im Regen steht – das ist in der Innenstadt-Fanmeile am Ring wohl auch nicht viel anders – hier wird im Fall des Falles auch der Boden ein Abenteuer für sich werden. Der Rasen ist nach einem halben Tag Regenwetter bei halbwegs gutem Besuch wohl Geschichte. Und dann könnte das eher ekelhaft werden.

Prater Hauptallee

Die Hauptallee liegt noch in einem romantischen Tiefschlaf. Mit dieser Ruhe ist es hier wohl dann bald vorbei. Für Nicht-WienerInnen: das hier ist der direkte Fußweg vom Praterstern zum Stadion. Damit das auch nach der Fußball-EM noch so hübsch ausschaut, möchte ich Besucher und Besucherinnen noch eindringlich auf diese aktuelle wissenschaftliche Erkenntnis aufmerksam machen: Wildpinkler sind Baummörder! Also, falls sie in Horden aufmarschieren. Etwas Respekt vor Bruder Baum also bitte.

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Alles Fassade

Freitag, 25. April 2008 22:57

Es rumort die Wiener Seele immer dann, wenn beim Aufstehen irgendetwas nicht mehr ganz genau so ist, wie am Abend davor. Und so gesehen mutet die Stadt ihren BewohnerInnen gerade ordentlich was zu. Der Prater hat einen neuen Eingang gekriegt. Heute frisch eröffnet. Darüber ist schon im Vorfeld viel geschimpft worden. Ich war dort, und der ist wirklich schirch.

Weil das der alte aber auch war (und darüber braucht man gar nicht lange zu streiten) kann man sich genau darüber nicht wirklich aufregen. Sich nicht aufregen können geht aber in Wien gar nicht. Also braucht es was anderes. Und das war leicht gefunden: Der neue Eingang zum Prater ist nämlich “nur Fassade”. Pfui!

Eröffnungsparty

Und es stimmt. Es ist alles nur Fassade, und die zitiert eine Zeit, die es so nie gegeben hat. Man hätte das alles natürlich auch völlig anders gestalten können, wahrscheinlich sogar sollen. Allerdings darf man eines nicht vergessen: Indem man den Vorplatz vom Riesenrad mit einer Pappmaschee-Welt eingerahmt hat, hat man es in einen historisch gar nicht so unrichtigen Kontext zurückversetzt. Als das Riesenrad nämlich 1897 errichtet wurde, befand sich auf der Kaiserwiese, also direkt davor, ”Venedig in Wien“, ein auch kommerziell höchst erfolgreicher Themenpark, der nichts anderes tat als Venedig nachzubauen. Kanäle und Gondeln inklusive. Alles Fassade versteht sich.

Venedig in Wien

Dass dem Wurstelprater ein aufpolierter Eingang seinen halbseidenen Ruf streitig machen kann, möchte ich mal stark bezweifeln. Da ginge allerdings dann wirklich was verloren. So fügt sich die neue Kulisse an Hässlichkeit aber erstmal ohnehin nahtlos ins Bild. Es wird ja wohl bitte niemand behaupten, dass (die stillgelegte Holzrutsche am anderen Ende mal ausgenommen) irgendetwas im Prater schön wäre. Wozu denn auch. Hauptsache bunt, schnell und laut. Da passt schon alles so wie’s ist.

[Man merkt, ich bin schon in der Vorstufe zum raunzenden Wiener. Finden, dass alles so passt wie es ist, ist wohl eine notwendige Voraussetzung um gegen Veränderung zu sein...]

Aber jedenfalls eines noch: Dass fünfzehn Minuten nachdem ich wieder in meiner Wohnung sitze zur Feier des Tages ein riesiges Feuerwerk abgelassen wird, wovon ich kurz vorher – am Ort des Geschehens – aber sowas von nicht informiert worden bin, ist schlicht und einfach eine Frechheit. Wie wärs beim nächsten Mal mit einem kleinen Schild? Großes Feuerwerk, heute 22 Uhr? Ist das zuviel verlangt? Ich kann ja hier nicht um die Ecke schaun…

Nur Fassade

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