Memories

Montag, 30. August 2010 22:50

In Schärding gibt es keinen McDonalds. Bis heute nicht. In Schärding gibt es auch kein Kino. Aber das war nicht immer so. Mitte/Ende der 1980er Jahre wurde auf einem Feld vor der Stadt ein furchtbar hässlicher Betonklotz gebaut. Halb Großraum-Disco (so groß wie eine Kleinstadt es halt verträgt), halb Kino. Ein Mill-en-i-um! im Kleinen, seiner Zeit aber halt leider weit vorraus.

Für Disco war ich damals noch zu jung, im Kino hab ich Roger Rabbit und Herbstmilch gesehen.

Nachdem alle Schärdinger und Schärdingerinnen dann zweimal im Kino waren, hatten sie scheinbar wieder genug. Der Projektor ging aus, die Großraumdisco wurdo noch ein bisschen größer. Alles war ein bisschen halbseiden, über die Besitzer hörte man komische Dinge, und am Parkplatz wurden lukrative Geschäfte gemacht. Schaumparties wurden gefeiert, Flatrate-Saufen hieß “20er time” (Schilling natürlich) und spätestens “Miniröcke-Minipreise” hat bei aufmerksamen Gästen schon die Alarmglocken schrillen lassen. Das würde nicht mehr lange gut gehen.

Die Großraumdisco wurde wieder etwas kleiner und teilte sich den hässlichen Zweckbau irgendwann mit einer Pizzaria und einer gar nicht so schlechten Rockkneipe namens “nebraska” (die das sinkende Schiff gerade noch rechtzeitig verlassen hat und inzwischen als einzige Überlebende dieser dunklen Vorstadt-Zeit nach Schärding Down-Town übersiedelt ist). Aber die Disco, die alle paar Jahre einen neuen Namen bekam, blieb immer das Herz des Betonklotzes.

Es war nie wirklich cool, dort hin zu gehen. Manche haben das geglaubt, dann haben wir sie ausgelacht. Entkommen sind wir ihr aber natürlich auch nicht. Dann haben wir Vodka-Lemon getrunken, das im UV-Licht geleuchtet hat.

Vor ein paar Jahren hat dann alles dicht gemacht. Ein kleines Feuer um 6 Uhr morgens (Brandstiftung nicht ganz ausgeschlossen) und das war’s. Seitdem steht alles leer. Die Feuerwehr übte im eh schon verkohltem Bau noch manchmal für den Ernstfall, falls hier in der Gegend doch nochmal eine Großraumdisco aufmachen würde. Das ist allerdings bis heute nicht passiert.

Vier Jahre später kommen jetzt die Bagger und reißen es auf, das hässliche Haus. Das ist ein komisches Gefühl. Und jedes Auto das vorbeifährt, und in dem jemand zwischen 20 und 40 sitzt, fährt ein bisschen langsam.

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Nordbahnhof

Samstag, 31. Juli 2010 19:06

Nachdem heute immer noch nicht klar war, wonach genau das nächtliche Polizei-Großaufgebot am Nordbahngelände gesucht hat, haben sich Lieutenant Zavarsky und Sergeant Zachbauer selbst auf Spurensuche gemacht. War eh höchste Zeit, sich die nähere Umgebung mal ohne Respekt vor Absperrgittern und ähnlichem genauer anzusehen. Lang wird das ja kein innerstädtisches Ödland mehr sein, und immerhin haften im Zweifel eh meine Eltern.

Etwa 75 Hektar ist das gesamte Areal groß. Ein Teil davon bereits verbaut, der Rest nach wie vor Spielplatz von Unerschrockenen und Werkstatt von Klein- und Großganoven. Davon zeugen frisch verlassene Partybaracken, Berge von ausgeschlachteten Kupferkabeln, überraschend wenige Kondome (Kinder, wenigstens Kondome verwenden!) und eben Suchscheinwerfer-Helikoptereinsätze wie der von vergangener Nacht.

Leider haben wir nichts wirklich kriminaltechnisch Verwertbares gefunden. Auch wenn uns an mancher Stelle wirklich gewundert hat, dass da keine Leichenteile liegen. So perfekt wären die dafür geeignet. Aber immerhin: ausgebrannte Bandenhauptquartiere und jede Menge eingeschlagener Fensterscheiben. Wir schicken der Polizei denn am Montag ein Memo.

Ah ja, und sollte irgendjemand mal auf die Idee kommen, sich hier sein eigenes Gemüse im Vorgarten anzubauen: Ich rate dringend zu einer vorherigen Bodenanalyse. Das schaut mir doch stellenweise alles etwas giftig aus.

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Luxury, please! – XXII

Samstag, 17. Juli 2010 19:27

Heute: Laptop mit Wasserkühlung. Weil die kleinen, wahrscheinlich völlig verstaubten Ventilatoren die Prozessoren alleine nicht mehr unter 80 Grad kriegen, und man sich da ja beim Tippen die Finger verbrennt. Funktioniert prächtig!

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Kylie, oh Kylie!

Samstag, 10. Juli 2010 21:01

Es ist mir heute wie Schuppen von den Augen gefallen: Kylie Minogues neues Video (erschienen zur WM 2010) ist eine Mischung aus einem betathome-Werbespot (erschienen zur Euro 2008) und dem Video zu Nelly Fortados Forca (erschienen zur Euro 2004).

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Da geht doch irgendetwas nicht mit rechten Dingen zu!

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Modern Lady

Donnerstag, 1. Juli 2010 21:35

Erin Gibson ist großartig.

Das wollte ich nur mal kurz gesagt haben. Mehr davon gibt’s hier.

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Wie schwul ist das?!

Mittwoch, 9. Juni 2010 23:14

Lady Gaga koppelt aus ihrem eineinhalbten Album die inzwischen neunte Single aus. Da wird die Luft im Songmaterial natürlich irgendwann ein bisschen dünn. Es kann ja nicht jeder Song ein Kracher sein, und das ist an sich auch nicht weiter schlimm.

Solange es noch B-Seiten gegeben hat, hat man das solala-Zeug da gut verstecken können. Jetzt sind die Zeiten härter geworden. Auf Hit folgt gefälligst Hit. Oder ein neuer Superstar. Und das will Lady Gaga gar nicht. Ich will das übrigens auch nicht, weil bis zu ihrem Wien-Konzert ist noch ein bisschen hin, und ich will einen Superstar sehen und keinen ehemaligen Superstar. Schließlich hab ich Superstar-Preise bezahlt.

Aber wie rettet man jetzt einen etwas verhunzten neunten Titel?

Lady Gaga hat lange nachgedacht, und dann ist ihr etwas großartiges eingefallen: Man sagt einfach, er ist “voll gay!”. Oder genauer: “It’s a celebration and an admiration of gay love -- it confesses my envy of the courage and bravery they require to be together.” Wenn das in der Sun steht, dann kann schon nix mehr schief gehen.

Dabei ist “Alejandro” in erster Linie ein audiovisuelle Mash-Up zweier Szene-Größen. Von der CD winken sehr unverholen Ace Of Base, im Video muss dann so ziemlich alles herhalten, was Madonna jemals erfunden hat. Massenräkeln, Maschienenpistolenbüstenhalter, Kreuze, Nonnenoutfit,… Und sowohl Ace Of Base als auch Madonna sind durchaus für musikhistorische Flaschen wie mich erkennbar. Dass ich nicht der erste war und sich diesbezüglich schon andere Gedankten gemacht haben (hier und da zum Beispiel) musste ich erst jetzt enttäuscht zur Kenntnis nehmen.

Ist aber sowieso alles total egal, weil das Video ist ab sofort offiziell schwul. Dass alle Typen vor allem an Frau Gaga rumgrapschen juckt da keine Sau. Sie machen Catwalk, sind frisiert und machen ein bisschen Kämpfen. Das muss reichen.

Das Video ist “eine Hommage an die Gay-Community“, schreibt energy.at, die mir nicht näher bekannte Seite pinkclusive.de meint sogar, “das Video zeigt auch noch derart homoerotische Szenen, dass einigen wohl die Knie schlackern“.

Das hab ich jetzt auch bei mehrmaligen Durchsehen so nicht feststellen können, aber vielleicht liegen da meine Maßstäbe auch einfach nur ein bisschen zu hoch. Für mich schaut das auf dem Foto mehr nach “Will wer mit mir spielen?” als nach “Mah, ich versteh mich sooo gut mit meinen schwulen Freunden!” aus.

Die Tänzer selbst sind jetzt wahrscheinlich auch nicht schwuler als in ihren anderen Videos. Und nicht jeder erotisch (mit viel Haut) gezeigter Mann ist eine homoerotische Darstellung. Das würd dann nämlich (um ein bisschen von Lady Gaga weg ins Philosophische abzudriften) in erster Linie heißen, dass Erotik per se immer nur für Männer da ist, und wenn es Männer sind, die erotisiert werden, dann werden sie eben homoerotisiert.

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