Crime Scene Investigation Leopoldstadt

Montag, 8. März 2010 0:11

Bei mir im Viertel ist ganz schön was los. Pratersauna, Fluc, Praterdome. Hier wird’s so schnell nicht langweilig. Auch der Polizei nicht allerdings. Neben wahrscheinlich allerhand Dingen, die ihren Weg nicht in die Medien finden, war das sonntägliche Kettensägenmassaker am Praterstern schon der siebente Crime-Incident seit Anfang Jänner. Das sind allesamt keine Rififi-Verbrechen. Aber das Jahr ja noch so jung…

4. Jänner: Eine Trafik wird überfallen. Der Trafikant greift zur Waffe, der Räuber wird erschossen.

7. Jänner: Bankraub in der Praterstraße. Der Täter kommt nicht weit und wird kurz darauf gefasst.

28. Jänner: Ein Mann versucht, eine Billa-Filiale zu überfallen. Ein Kunde reißt ihm die Waffe aus der Hand. Der Täter kann ohne Beute fliehen.

9. Februar: Bankraub in der Ennsgasse. Als er einen Wachmann sieht, bricht der Täter den Überfall ab und flüchtet mit einem Komplizen. Kurz darauf wird eine Bank in Floridsdorf überfallen. Vermutlich von den beiden.

11. Februar: Ein Casino im Prater wird ausgeraubt. Wenige Tage später werden vier Verdächtige festgenommen.

5. März: Bankraub in der Friedrich Hillegeist Straße. Der Täter entschuldigt sich schon während der Tat bei einer Bankangestellten und geistert daraufhin als sehr “freundlicher” Bankräuber durch die Zeitungen. Er hat sich inzwischen der Polizei gestellt.

7. März: Im Zuge eines Streits am Praterstern greift einer der Kontrahenten zu einer Motorsäge. Insgesamt gibt es vier Verletzte, darunter der Kettensägenmann selbst.

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Die Klum, die Rosenkranz und Esther Vilard

Sonntag, 7. März 2010 16:10

Beide haben mehrere Kinde und sind beruflich erfolgreich. Und weil sie beide Frauen sind, ist das immer noch irgendwie bemerkenswert. Beide stehen präsenter im Rampenlicht als ihre Männer, obwohl die auch durchaus keine grauen Mäuse sind. Und trotzdem: Als feministische Aushängeschilder taugen beide nicht. Weder Model-Mama Heidi Klum, noch die Herrin aller Sondwendfeiern und Bundespräsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz. Die eine bekommt von Alice Schwarzer den Titel “Pascha des Monats” verliehen, die andere schreibt sich mit “MenschInnen – Auf dem Weg zum geschlechtslosen Mensch” gleich selbst ins anti-feministische Eck (vom sonstigen Unsinn den sie so von sich gibt jetzt mal ganz abgesehen).

Morgen ist Internationaler Frauentag, und man muss leider festhalten: Die medial vielleicht präsentesten Frauen der nächsten Wochen  (Barbara Rosenkranz steht mit den meisten Nennungen an der Spitze des Polit-Rankings von Media-Watch, Heidi Klums Modelshow erreichte zwar bei der ersten Folge letzten Donnerstag verhältnismäßig schwache Einschaltquoten von 18%, was aber – mich eingeschlossen – immer noch ein Millionenpublikum bedeutet) sind keine Speerspitzen im Kampf für die Gleichberechtigung von Frauen.

Natürlich, es hat viel getan in den letzten Jahrzehnten, viel Bewusstseinsarbeit wurde geleistet, viele Gesetze wurden geändert, und der Trend geht tatsächlich dahin, Ungleichbehandlungen (wenigstens in der Berufswelt) zu verbieten. Der Trend zumindest. In der Theorie zumindest.

Auf der anderen Seite lässt sich aber auch sehen, dass sich die Welt zwar weitergedreht hat, und natürlich ganz insgesamt nicht mehr die von vor 40 Jahren ist, sich am Verhältnis der Geschlechter aber unterm Strich herzlich wenig verbessert hat.

Vor 39 Jahren erschien Esther Vilards Buch “Der dressierte Mann”. In der Reihe “Fragen an den Autor” sendete der Saarländische Rundfunk dann am 7. November 1971 eine einstündige Sendung zum Buch.

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Das ist ein interessantes Stück Zeitgeschichte. Sich das anzuhören, zahlt sich auf jeden Fall aus (aber bitte nicht mehr Anrufen, es ist eine Wiederholung!). Abgesehen vom etwas sperrigem Radio-Sprech der frühen 70er-Jahre finden sich da Argumente und Gegenargumente, die auch ein halbes Jahrhundert später immer wieder zu hören sind. Ein paar kurze Auszüge:

Frage: Frau Vilard, bevor wir weitere Anrufe hören, etwas zu Ihrer These, Sex würde von Frauen als Belohnung gewährt.

Das ist eben einer der ganz großen Vorteile, den die Frauen haben. Die Frauen haben ihren Sextrieb so gut konditioniert, dass sie weniger Wert auf Sex legen als die Männer, die [...] ständig wieder herausgefordert werden. Sie sind also in einer Machtposition dem Mann gegenüber. Sie haben sozusagen das sexuelle Monopol.

Frage: Halten Sie es für völlig ausgeschlossen, dass Frauen ihre eigene Sexualität ebensoviel Freude macht und soviel Vergnügen macht wie den Männern?

Wenn das so wäre, dann gäbe es ja auch zum Beispiel Bordelle für Frauen. Aber die gibt es ja nicht.

Frage: Liegt das am Wesen der Frau oder liegt das nicht viel mehr an den Traditionen der europäischen Kulturgeschichte, wo wir doch beobachten müssen, dass wir vorwiegend mit Männergesellschaften, mit männerorientierten Gesellschaften zu tun hatten?

Ja, mit nach außen hin männerorientierten Gesellschaften, aber nicht nach innen hin. Ich denke, die Macht hatte schon immer die Frau. Aber es ist natürlich jetzt ein ganz akuter Zustand eingetreten. nach er Erfindung der Anti-Baby-Pille hat die Frau noch sehr viel mehr an Macht gewonnen als sie vorher hatte. Sie kann jetzt ihre Kinder bekommen von wem sie will und das ist natürlich etwas, was der Mann überhaupt nicht hat.

Etwas später dann die Frage eines Anrufers: Warum stellt sie eigentlich in ihrem Buch nicht besser heraus, dass es auch gerade die Dummheit der Männer ist, die in Verbindung mit der Dummheit der Frauen, ein ideales Verhältnis des Zusammenlebens und damit eigentlich auch die idealen Eheverhältnisse schaffen?

Es ist so: Die Männer sind auf eine ganz andere Weise dumm als die Frauen dumm sind. Die Männer sind dumm insofern als sie sich dressieren lassen, als sie ihre Intelligenz nicht dazu benutzen, sich selbst ein besseres Leben zu schaffen. Und die Frauen sind insofern eben dumm, als sie von nichts etwas verstehen, aber doch verstehen, und ihre Intelligenz besteht darin, die Männer für sich arbeiten zu lassen. Das sind eben verschiedene Definitionen von Dummheit und Intelligenz.

Das ist, was Mario Barth in Comedy packt, wenn der so tut, als müssten Männer shoppende Frauen über sich ergehen lassen. Das ist, was ProSieben in eine Fernseh-Show packt, wenn es Frauen Karrieremöglichkeiten auf der Männer-werden-für-Bilder-von-deinem-Körper-zahlen-Schiene verspricht. Und das ist, was Barbara Rosenkranz unbedingt erhalten will, wenn sie sich in “MenschInnen” dagegen ausspricht, die Rollenbilder von Männern und Frauen aufzubrechen.

Und dass Alice Schwarzer, schon 1975 Esther Vilars Gegnerin bei der “Fernseh-Schlacht des Jahres” (Bild-Zeitung), wahrscheinlich auch 2010 eine Top-Kandidatin aller TV-Redaktionen wäre, wenn sie eine Sendung zum Thema gestalten müssten, ist (bei aller nötigen Ehrerweisung an Frau Schwarzer) wohl auch eher ein Zeichen dafür, dass in dem Bereich der Fortschritt leider langsamer vonstattengeht als gedacht.

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Digitale Archäologie: Das Leben eine Festplatte

Samstag, 20. Februar 2010 2:05

Alte Ordner auf der Festplatte sind ja der Dachboden des neuen Jahrtausends. Und obwohl mir in den letzten acht Jahren mindestens dreimal Computer desmaßen abgeschmiert sind, dass ich so gut wie alle wichtigen Daten verloren hab: Auf meiner Backup-Festplatte finden sich tatsächlich Dateien aus längst vergangenen Zeiten. Was  heißt Dateien,… Artefakte! Ein paar wenige schaffen es dann ja doch immer auf verschlungenen Wegen von einem Rechner zum nächsten.

Manchmal sucht man dann irgendwas, von dem man glaubt, dass es da ja irgendwo sein müsste oder zumindest könnte. Und findet es natürlich eh nicht. Stattdessen Tagebuch-Fragmente, ein paar halbfertige und fertige Seminararbeiten, Flyer-Entwürfe und viele völlig unzuordenbare Dinge.  Und mittendrin lagern da bei mir auch zwei mp3-Dateien, die mich heute beim Drüberstolpern wieder an meinen kurzen Anflug elektro-musikalischer Ambitionen erinnert haben.

Es war im Jahr 2002 (sagt das Erstellungsdatum), da hab ich mir eine gecrackte Versionen von Fruity Loops auf meinen Computer geladen und zwar nicht so recht verstanden, was das macht und wie das funktioniert, aber natürlich trotzdem wild drauflos … ähm … komponiert. Ich kann mich noch daran erinnern, dass mein größtes Problem war, dass ich “Text” haben wollte, und dann irgendwelche .wav-Schnipsel aus dem Netz geladen hab. Und zwar wirklich irgendwelche.

Ich hab bald eingesehen, dass das alles keine große Zukunft hat, und die Dinger eingemottet. Zwei Werke haben überlebt, der Rest gilt als verschollen. Sie heißen “Sitar” (wenn ich mich richtig erinnere, weil eine Tonspur so geheißten hat) und “Dambeck” (ich hab keine Ahnung warum). Und sie sind recht monoton. Fast möchte ich sagen experimentell… Und acht Jahre später scheint mir jetzt die Zeit gekommen, sie der Welt vorzustellen. Mir ist ja nix mehr peinlich…

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Ich weiß bis heute nicht, was dieser russische Text im zweiten … äh … Track bedeutet. Ich weiß eigentlich nicht mal, ob das Russisch ist. Aber hier erhoffe ich mir Hinweise vom fach- und sprachkundigen Publikum. Worum zur Hölle geht’s in Dambeck?

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Killing me softly

Sonntag, 14. Februar 2010 17:46

Sechs Morde soll es auf den Philippinen gegeben haben, nachdem in Karaoke-Bars “My Way” von Frank Sinatra geträllert wurde. Weiß orf.at heute in einem liebevoll aus der New York Times abgeschriebenen Artikel zu berichten. Geschehen sind die Morde wohlgemerkt in einem Zeitraum von 10 Jahren.

Jetzt ist es ja nicht gerade leicht, eine zuverlässige Liste der beliebtesten Karaoke-Songs zu erhalten. Zumindest in einer Liste der PRS for Music, der großbritannischen AKM, rangiert “My Way” allerdings im Jahr 2009 hinter “Waterloo” und “Bohemian Rapsody” auf Platz 3. Knapp vor “I Will Survive” übrigens. Das würde eigentlich ja viel besser zu latenten Mordgelüsten beim Publikum passen und könnte noch unentschlossene Zuhörer bei ihrer Schlächter-Ehre packen.

6 Morde in 10 Jahren, macht einen alle 20 Monate. Wenn täglich in jeder Karaokebar einmal “My Way” gesunden wird und es in Manila etwa 100 solche Bars gibt (alleine 90 haben einen Eintrag im Branchenbuch von Google), dann endet jede 60000. Interpretation von “My Way” mit Exitus.

Die Chance, dass so ein Auftritt der letzte gewesen sein könnte liegt damit etwa halb so hoch wie die, mit einem einzigen Tipp beim österreichischen Lotto einen 5er zu haben. Bei einer Mordrate von 3,82/100000, also einer Wahrscheinlichkeit von 1:27000, innerhalb eines Jahres auf den Philippinen eines gewaltsamen Todes zu sterben, scheint da so ein kleines Liedchen also weiter nicht ins Gewicht zu fallen.

Aus der Distanz betrachtet muss man sich also eigentlich keine Sorgen um den jungen Mann hier machen. Auch wenn man selbst ein kleines Kribbeln in den Fingern spürt.

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Gebt mir eine Landstraße und macht das Licht aus!

Donnerstag, 11. Februar 2010 0:50

Ein bisschen Video-Overflow hier in letzter Zeit, ich geb’s ja zu. Und wenn der Schnee dann irgendwann mal weg ist und die Sonne wieder scheint, dann geh ich auch wieder raus und krall mir ein richtiges Leben.

Inzwischen wart ich aber hier im Warmen auf das Album zum Februar-Ohrwurm. “Broken Bells” von “Broken Bells” soll dann im März erscheinen, bis dahin gibt’s nur “The High Road”. Und wenn’s nicht so kalt wär, würd das zig spätpubertierende Jungs nachts mit Taschenlampen auf die Straßen treiben.

Und bitte aufpassen: Nicht öfter als fünfmal am Tag hören, sonst hat man es bald nicht mehr lieb!

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Der Herr der bunten Ringe

Dienstag, 2. Februar 2010 2:11

Hans Rosling ist Professor of International Health am Stockholmer Korolinska Institutet und verzaubert regelmäßig sein Publikum mit seinen etwas schrulligen, aber absolut sehenswerten Vorträgen. Er ist ein Star-Redner bei den TED-Konferenzen und macht dort seit 2006 vor allem durch den Einsatz der von ihm mitentwickelten Präsentations-Software Gapminder Furore. Die macht es möglich, aus trockenen Statistik-Tabellen ansehnliche Bilder zu zaubern.

Wenn dann zu den beweglichen Kugeln noch ein Presenter mit aufs erste Hinschaun gar nicht erwarteten Entertainer-Qualitäten kommt, dann wundert es nicht, dass der die Auftakt-Session bei der ersten Ausgabe des Indien-Ablegers der TED-Reihe (TEDIndia) halten darf. So geschehen letzten September. Ich brauch da ja immer ein bisschen, bis ich sowas mitkrieg. Aber die 16 Minuten lohnen sich auch ein paar Monate später noch. Weil das nicht nur inhaltlich interessant ist (“Asia’s rise – how and when”), sondern weil es durchaus Mut macht, auch komplexere Inhalte in überschaubarer Zeit in die Köpfe des Publikums zu bringen.

Ein paar weitere Videos von Hans Rosling gibt’s in der Video-Abteilung von gapminder. Ein bisschen mit der inzwischen von Google gekauften Software rumspielen lässt sich unter tools.google.com/gapminder.

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