Will ich Teil einer Bürgerbewegung sein?

Samstag, 8. Mai 2010 1:15

In meinem Haus werden viele Zettel ausgehängt. Vor meinem Haus gibt’s viele Baustellen. Kann man ja super verbinden, hat sich da dann eine Mitbewohnerin gedacht.

Jetzt enthalten die allermeisten dieser in meinem Haus ausgehängten Zettel keine sehr guten Nachrichten. Gut, da gibt es auch mal preiswerte Rückengymnastikstunden oder Honig vom Hobby-Imker, aber sowas ist selten. Meistens wurden hausfremde Personen auf der Dachterasse gesehen und wir sollen die Tür besser schließen oder wir waren zu laut beim Tischtennisspielen und sollen das unterlassen oder wir haben nachts ein Loch in die Wand gebohrt und kriegen Nachtbohrverbot. Alles schlimme Sachen im eher tadeligen Ton. Ah, vielleicht sollte ich dazusagen, dass ich persönlich die Tür immer zumach, noch nie Tischtennis gespielt hab und auch grundsätzlich nur bei strahlendem Sonnenschein bohre, außer Samstag und Sonntag, da bohre ich nie!

Jedenfalls trotzdem: So Zettel sind im Ton immer ein bisschen raunzig. Zwar ist das nichts im Vergleich zum diesbezüglich überhaupt nur schwer auszuhaltenden hauseigenen Bednarpark-Forum (so sinnvoll das ist, aber das ist echt stellenweise nah am Querulantentum). Aber es ist immer ein bisschen vorwurfsvoll, man liest es einfach nicht gerne. Natürlich tut man es trotzdem. Noch dazu wenns mal so bunt und mehrseitig ist wie dieses hier:

Und siehe da, hier schimpft man mal zur Abwechslung gar nicht mit dem unbekannten Nachbarn via Lift-Anzeige. Es geht um hohe Politik! Der Feinstaub ist das Böse, beziehungsweise dessen Verursacher. Die Regierung! Also, die Bezirksregierung. Und die Bauträger der Häuser, die hier im Stadtentwicklungsgebiet entstehen. Auf einer Unterschriftenliste soll ich nun die Errichtung befestigter Straßen auf der Baustelle fordern, dass die Baufahrzeuge gereinigt werden, sobald sie die Baustelle verlassen, dass momentan noch nicht bebaute Flächen zwischenbegrünt werden, der Baustellenverkehr über die Bahn abgewickelt wird (?) und irgendein “Verhaltenskodex für staubfreies Arbeiten” eingehalten wird.

Ja, naja, ich bin ganz hin- und hergerissen. Das Bild auf dem Flugblatt ist schon ziemlich arg. Andererseits schauts wenn ich runter gucke eigentlich nie so aus.

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Hair is important!

Montag, 3. Mai 2010 0:48

Gut, ich hatte nie viel Haare am Kopf. Vielleicht hätte ich als Kind doch ein bisschen Gemüse essen sollen oder sowas. Aber bis ich 18 war hat es immerhin für die frisurentechnische Todsünde “schulterlanges Deckhaar und drunter rasiert” gereicht. Es folgten noch fünf Jahre “normal mit Geheimratsecken”. Aber schon so 2004 rum hab ich mich meinem Schicksal gefügt, mir einen Barttrimmer gekauft und bin seitdem ein Freund der pflegeleichten Stoppelglatze.

Ein einziges mal kam ich mir mit meinem etwas schütteren Haarwuchs ein bisschen komisch vor: als mich mein damaliger Freund als Toupet-Model für seine “Friseur- und Perückenmacher”-Meisterprüfung einspannen wollte. Das ging zu weit, und ich hab dankend abgelehnt. Ansonsten war ich eigentlich ganz glücklich.

Aber ich hatte ja bisher auch überhaupt gar keine Ahnung, wie wichtig Haare sind!

Ich werde nie wieder aus dem Haus gehen!

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Mein erstes Mal: Essen zurückgehen lassen

Sonntag, 18. April 2010 21:46

Ich bin nicht gut im Mich-Beschweren. Ich hasse es. Das ist fast schon pathologisch. Und über die Jahre hab ich mich damit abgefunden, dass man mit mir als Kunden schon ein bisschen machen kann, was man will. Als wäre Konsument zu sein eine von mir angebotene Dienstleistung, die ich zur Zufriedenheit aller erbringen will. Ein samstagabendlicher Besuch in der sehr urigen “Gastwirtschaft Wratschko” hat mir jetzt dabei geholfen, diese etwas unpraktische Eigenheit abzulegen.

Das Wratschko ist ein Lokal in der Wiener Neustiftgasse. Ist gut gelegen, schaut von außen halbwegs gemütlich aus und brüstet sich mit frisch zubereiteten Speisen aus qualitativ hochwertigen Zutaten. Wiener Küche, Hausmannskost, vegetarisches Essen, keine Konservierungsstoffe, keine Fertiggerichte, worauf man halt alles so schaut, wenn man sich in der Wiener Restaurantszene gut positionieren will.

Samstag abend, 20 Uhr 30, wir betreten das Lokal und landen – weil vorne alles voll ist – im etwas gammeligen Hinterzimmer. Farbe blättert von den Wänden, aber noch sind wir bereit, das unter “Charme” abzulegen. Getränkebestellung: 20 Uhr 40. Essensbestellung: 20 Uhr 50. Ich will haben: Hühnerfilet mit Ingwersoße und Risibisi. Das Unheil nimmt seinen Lauf.

21 Uhr 20: Ein bisschen Farbe bröckelt von der Wand. Ich wisch die Bröckerl von der Sitzbank auf den Boden.

21 Uhr 50: Die Kellnerin war seit 60 Minuten nicht mehr gesehen, ich gehe in den vorderen Gastraum, um nachzusehen, ob es ihr eh gut geht. Nebenbei erkundige ich mich nach unserer Bestellung. Sie begleitet mich zur Durchreiche zur Küche. “Du, wann ist das fertig?” – “Gleich. Sofort.” Aha. Ich sag, wir würden gern noch was zu trinken bestellen inzwischen. Sie sagt, sie kommt gleich.

21 Uhr 55: Sie kommt tatsächlich, genervt keuchend, aber mit Block und Kugelschreiber, nimmt die Getränke auf und versichert, dass das Essen wirklich gleich kommt.

22 Uhr 00: Yeah. Zwei Teller finden ihren Weg aus der Küche auf unseren Tisch.

22 Uhr 02: Ich fasse mir ein Herz und stehe kurz darauf mit meinem Hühnerfilet im Sushi-Style wieder bei der Durchreiche und frag den Koch, ob das sein Ernst sei. “Naja, ich hab gedacht, du hast es eilig”, meint er. “Und da krieg ich dann ein rohes Huhn?” Es wäre jetzt wirklich nicht ganz roh, meint er. “Es ist aber auch wirklich nicht durch”, sag ich. Er will wissen, ob er es jetzt reparieren soll oder ob ich mich jetzt nur beschweren will. Ich sag: “Ich will das jedenfalls nicht essen”. Er nimmt den Teller und verabschiedet sich mit einem herzhaften “Okay, Tschüss!”

22 Uhr 05: Wir hören, dass der Koch der Kellnerin die Geschichte vom zurückgebrachten Huhn erzählt. Ich nehm an, sie würde sich ein bisschen entschuldigen kommen und mich vielleicht fragen, ob ich irgendwas anderes will. Immerhin sitze ich seit eineinhalb Stunden hungrig in ihrem Hinterzimmer. Aber sie beschließt offenbar, zur Sicherheit ab jetzt gar nicht mehr an unseren Tisch zu kommen.

22 Uhr 20: Wir gehen zum Zahlen nach vorne an den Tresen. “Alles zusammen?” will sie wissen. “Alles außer dem Huhn”, sage ich. Ah ja, von der Geschichte hätte sie eh schon gehört. Keine Spur einer Entschuldigung. Ich bin zu baff, um darauf irgendwas zu sagen. Und ich will mir den Sieg über meine Reklamations-Phobie auch nicht durch ein unüberlegtes letztes Wort kaputt machen.

Beim tollen Koch-Kellnerin-Gespann möchte ich mich aber an dieser Stelle doch noch für die Therapie-Doppelstunde bedanken. Leichter hätten sie es mir nicht machen können.

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Luxury, please! – XIX

Dienstag, 6. April 2010 21:50

Heute: Home Cooking. Weil man sich teure Restaurantbesuche schon dank einer Packung Marshmallows und ein paar Teelichtern sparen kann.

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Luxury, please! – XVIII

Sonntag, 4. April 2010 21:10

Heute: Parteispenden. Weil das zum Eierpecken locker reicht und man über den sleazy 9-Nadel-Aufdruck zur Feier des Tages auch hinwegsehen kann.

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Do the funky chicken. And Bow. And Arrow.

Freitag, 2. April 2010 1:32

Na da hat sich die EBU aber was lustiges ausgedacht: Weil bald Song Contest ist, und noch ein bisschen ein Geld übrig war anscheinend: Für ein paar Zuspieler während der Songcontest-Shows (Ende Mai dann) sollen in einigen europäischen Städten Menschen tanzen. Und weil “Massen-Choreographie” so nach Nordkorea klingt, nennt man das ganze einfach Flashmob.

Damit’s nicht ganz zu spontan wird, hat das norwegische Fernsehen eine Tanzlehrerin beigesteuert, die Europa auf seine Aufgabe vorbereitet. Deshalb gibt es jetzt den Songcontest-Flashmob-Dance in vier Teilen. Wer auch immer für die Choreographie verantwortlich zeichnet, hatte wohl das Gefühl, den fetten Scheck mit etwas überkomplizierten Moves rechtfertigen zu müssen…

Also los gehts: Funky chicken. Funky chicken. Five! Six! Seven! Eight!

And gloooooooooowwww!

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