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Nicht Räuber und Gendarm spielen!

Samstag, 19. April 2008 19:20

Hm, welchen hätte es denn eigentlich treffen sollen? 

Aber ganz abgesehen von der etwas verunglückten Headline: Gefährlicher fürs Gegenüber blieben am Ende doch die echten.

Die legten sich vergangene Nacht nämlich gleich auf mehreren Autobahn-Parkplätzen rund um Wien auf die Lauer, um dort eine Bande zu Schnappen, die sich die letzten Monate über als Polizisten ausgegeben hatte und dann bei fingierten Verkehrskontrollen ihre Opfer ausgeraubt hatten. Als Tarnung diente den echten Beamten gestern ein “Fahrzeug mit ausländischem Kennzeichen” (so deutlich hat die österreichische Polizei wohl noch nie gemacht, dass Ausländer/-innen nicht nur in der Täter-, sondern eben auch in der Opfer-Statistik eine besondere Stellung finden).

Die Falle schnappt zu, tatsächlich werden die Lockvögel kontrolliert. Die Falschen bemerken, dass die Echten die Echten sind und werden nervös. Die Echten fühlen sich bedroht. “Der eine Beamte hat daraufhin zum eigenen Schutz sofort seine Waffe gezogen, sich als Polizist lautstark zu erkennen gegeben, nachdem der eine tatverdächtige aber nicht abgelassen hat von ihm, hat er den ersten Schuss abgefeuert”, so erklärte der Leiter LKA Niederösterreich heute was passiert war. Am Ende ist einer der Tatverdächtigen tot, die beiden anderen ebenfalls angeschosen. Die Polizisten bleiben scheinbar unverletzt. Die Rede ist von einem vorangegangenen Schuss eines der Verdächtigen, und davon, dass diese versucht hätten, die echten Polizisten zu überfahren.

Stop! Falsch!

Malcolm Gladwell hat in seinem Buch Blink! ein ganzes Kapitel einem Fall gewidmet, in dem Polizisten – dort auf einen Unschuldigen – geschossen haben. In “Sieben Sekunden in der Bronx” zeigt er sehr schön, in welch minimaler Zeitspanne sich solche Ereignisse und potentiell tödliche Entscheidungen ereignen. Und was für eine wichtige Rolle hier Mimik und Gestik, vor allem aber (auch um diese richtig lesen zu können) der Faktor Zeit für eine am Ende passende Entscheidung spielen.

In den USA sind manche Polizeibezirke als Reaktion auf Probleme mit behaupteten und echten Polizei-Übergriffen dazu übergegangen, PolizistInnen alleine, und nicht mehr zu zweit auf Streife zu schicken. “Ein einzelner Polizeibeamter wird immer versuchen, eine Situation zu verlangsamen, aber wenn Polizeibeamte zu zweit unterwegs sind, beschleunigen sie die Dinge”, meint Gladwell (s.228). Es hätte sich tatsächlich gezeigt, dass Polizisten schwierigen Situationen aus diesem Grund besser alleine begegnen würden. 

Völlig zurecht erfahren die betroffenen Beamten jetzt eine besondere Betreuung. Nachdem ich natürlich nicht davon ausgehe, dass irgendjemand mit dem Vorsatz zu diesem Einsatz aufgebrochen ist, dabei jemanden zu erschießen, ist das nicht nur ein jeden ganz persönlich schwer belastendes Ereignis, sondern wohl auch eine insgesamt misslungene Mission.

Die Frage bleibt halt, ob die ganze Art und Weise so eines Einsatzes überhaupt die Möglichkeit geboten hat, dass sie die Polizisten nicht bedroht fühlen würden. Immerhin war dass sie überfallen werden Teil des Planes. Und das ist keine besonders entspannte Situation in der man einen kühlen Kopf bewahrt.

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What we got here is a failure to communigayt

Mittwoch, 9. April 2008 21:36

Kärnten ist wunderschön. Leider lernen das auch die Heerscharen an Nachwuchs-Eventmanagern und -innen in ihren Eventmanagement-Schulen. Und so setzt die Wörthersee-Region immer wieder noch eins drauf, auf den eh schon kaum noch überblickbaren Promo-Berg.

Ich stell mir das inzwischen ja so vor, dass man dort den Sommer über von einer Fete Blanche zur nächsten hetzt und zwischendurch ein bisschen am GTI-Treffen oder bei einem Beach-Volleyball-Turnier vorbeischaut. Die Wörthersee-Website führt im Moment 40 ”Top-Events“. Normale “Veranstaltungen” noch gar nicht mitgerechnet. 

Ein Eldorado für Promoter-Tussis (männliche und weibliche) also. Deswegen war es wohl auch nur eine Frage der Zeit, bis endlich die gefinkelten Agenturen der Abteilung Pink-Marketing in Richtung Kärnten schielen.

Der deutsche Veranstalter Communigayte hat zugeschlagen und beschlossen, sich in die reaktionären Kärntner Nesseln zu setzen und stampft Mitte September (wenn die Kinder wieder beschützt in der Schule sitzen) ein Pinkwave (wow!) aus dem Boden. Dass man sich lokal noch ein bisschen schwer tut mit der neuen Zielgruppe, zeigt vielleicht das Bild, das die KollegInnen von kaernten.orf.at zur Illustration ihrer Geschichte “Im Herbst Gay Festival am Wörthersee” gewählt haben. Ob die erwarteten 3000 schwulen und lesbischen(?) Gäste alle in transparenten Hotpants und mit weißen Engelsflügerl anreisen werden. Naja, vielleicht ja eh wirklich.

Auch Hot Pants

Bezahlt wird jedenfalls unter anderem von der Kärnten Werbung, der Wörthersee Tourismus Gesellschaft und der Gemeinde Pörtschach. Die alle konnten die communigayter mit ihrer Liste der “10 guten Gründe für Gay Community Marketing” überzeugen. Dieses mächtige Instrument will ich hier deshalb auch niemandem vorenthalten:

  1. Die Gay Community in Deutschland ist eine sehr große Zielgruppe.
    Schätzung gehen von mindestens 5,5 Millionen aus.
  2. Die Gay Community ist eine sehr finanzstarke Zielgruppe mit einem
    hohen, verfügbaren Einkommen.
  3. Gays haben ebenfalls mehr „verfügbare Zeit” als Heterosexuelle.
  4. Die Gay Community hat das Verlangen nach werblicher Ansprache (im
    Gegensatz zu Mainstream-Konsumenten, die sich von
    Marketingaktivitäten eher belästigt fühlen).
  5. Gays sind sehr markentreu – besonders wenn sie direkt angesprochen
    werden.
  6. Gays sind Trendsetter („Early Adopters“).
  7. Die Gay Community ist eine selbstbewusste, kommunikative und
    einflussreiche Zielgruppe („Out and Proud“).
  8. Die Gay Community kann als Zielgruppe sehr präzise und
    kosteneffizient mit fokussiertem Marketing erreicht werden.
  9. In den USA betreiben viele Fortune 500 Unternehmen aktiv und
    erfolgreich Zielgruppenmarketing mit der Gay Community – und das
    bereits seit einigen Jahren.
  10. Mit COMMUNIGAYTE haben Sie jetzt den Partner mit der Erfahrung
    und Kompetenz, die Sie benötigen um Ihr Produkt erfolgreich an die
    Gay Community zu vermarkten.

Von diesem 10-teiligen Zauberspruch lässt sich also die ihre grundkonservative Kärtner-Seele an den Meistbietenden verkaufende lokale Tourismusindustrie bannen. Sollte man sich unbedingt merken!

Weil die Gegend aber bei aller Seltsamkeit doch irgendwie immer noch in Österreich liegt, ist der lokale Platzhirsch natürlich nicht weit. Die Pink Marketing Gmbh hat die Vermarktung übernommen und verspricht Schlimmes: ”Eine ausgeklügelte Kampagne, in der neben den klassischen Werbemitteln im Print- und Online-Segment auch einige Beyond-the-line Elemente enthalten sind, läuft bereits an und hat ihre Schwerpunkte im April sowie in den Sommermonaten Juni und Juli.”

Da kommt also wohl noch einiges auf mich Kern-Zielgruppe zu. Und womit soll ich meine gewonnene Gay-Zeit auch sonst verplempern als mit dem Betrachten von durchgeknallten Zielgruppen-Klischees.

Aber meine Damen und Herren Homo-Markt-ForscherInnen, ich sage euch eins: Da könnt ihr noch so oft “alle Gays, Lesben, Bisexuelle und Transgender sowie Freunde der Community” einladen. Ich hasse euch. Auch dafür, dass ich mich beim ersten Aufmupfen irgendeines homophoben Dumpfnasen-Kärnters der Einfachheit halber sofort auf eure Trottel-Seite schlagen muss.

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