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Nordbahnhof

Samstag, 31. Juli 2010 19:06

Nachdem heute immer noch nicht klar war, wonach genau das nächtliche Polizei-Großaufgebot am Nordbahngelände gesucht hat, haben sich Lieutenant Zavarsky und Sergeant Zachbauer selbst auf Spurensuche gemacht. War eh höchste Zeit, sich die nähere Umgebung mal ohne Respekt vor Absperrgittern und ähnlichem genauer anzusehen. Lang wird das ja kein innerstädtisches Ödland mehr sein, und immerhin haften im Zweifel eh meine Eltern.

Etwa 75 Hektar ist das gesamte Areal groß. Ein Teil davon bereits verbaut, der Rest nach wie vor Spielplatz von Unerschrockenen und Werkstatt von Klein- und Großganoven. Davon zeugen frisch verlassene Partybaracken, Berge von ausgeschlachteten Kupferkabeln, überraschend wenige Kondome (Kinder, wenigstens Kondome verwenden!) und eben Suchscheinwerfer-Helikoptereinsätze wie der von vergangener Nacht.

Leider haben wir nichts wirklich kriminaltechnisch Verwertbares gefunden. Auch wenn uns an mancher Stelle wirklich gewundert hat, dass da keine Leichenteile liegen. So perfekt wären die dafür geeignet. Aber immerhin: ausgebrannte Bandenhauptquartiere und jede Menge eingeschlagener Fensterscheiben. Wir schicken der Polizei denn am Montag ein Memo.

Ah ja, und sollte irgendjemand mal auf die Idee kommen, sich hier sein eigenes Gemüse im Vorgarten anzubauen: Ich rate dringend zu einer vorherigen Bodenanalyse. Das schaut mir doch stellenweise alles etwas giftig aus.

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Darf man’s?

Samstag, 8. Mai 2010 16:45

Scheinbar hat in Island schon öfter mal eine Schule wegen Vulkanausbruchs geschlossen gehabt.

(gefunden bei zeisman.de)

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Mein erstes Mal: Essen zurückgehen lassen

Sonntag, 18. April 2010 21:46

Ich bin nicht gut im Mich-Beschweren. Ich hasse es. Das ist fast schon pathologisch. Und über die Jahre hab ich mich damit abgefunden, dass man mit mir als Kunden schon ein bisschen machen kann, was man will. Als wäre Konsument zu sein eine von mir angebotene Dienstleistung, die ich zur Zufriedenheit aller erbringen will. Ein samstagabendlicher Besuch in der sehr urigen “Gastwirtschaft Wratschko” hat mir jetzt dabei geholfen, diese etwas unpraktische Eigenheit abzulegen.

Das Wratschko ist ein Lokal in der Wiener Neustiftgasse. Ist gut gelegen, schaut von außen halbwegs gemütlich aus und brüstet sich mit frisch zubereiteten Speisen aus qualitativ hochwertigen Zutaten. Wiener Küche, Hausmannskost, vegetarisches Essen, keine Konservierungsstoffe, keine Fertiggerichte, worauf man halt alles so schaut, wenn man sich in der Wiener Restaurantszene gut positionieren will.

Samstag abend, 20 Uhr 30, wir betreten das Lokal und landen – weil vorne alles voll ist – im etwas gammeligen Hinterzimmer. Farbe blättert von den Wänden, aber noch sind wir bereit, das unter “Charme” abzulegen. Getränkebestellung: 20 Uhr 40. Essensbestellung: 20 Uhr 50. Ich will haben: Hühnerfilet mit Ingwersoße und Risibisi. Das Unheil nimmt seinen Lauf.

21 Uhr 20: Ein bisschen Farbe bröckelt von der Wand. Ich wisch die Bröckerl von der Sitzbank auf den Boden.

21 Uhr 50: Die Kellnerin war seit 60 Minuten nicht mehr gesehen, ich gehe in den vorderen Gastraum, um nachzusehen, ob es ihr eh gut geht. Nebenbei erkundige ich mich nach unserer Bestellung. Sie begleitet mich zur Durchreiche zur Küche. “Du, wann ist das fertig?” – “Gleich. Sofort.” Aha. Ich sag, wir würden gern noch was zu trinken bestellen inzwischen. Sie sagt, sie kommt gleich.

21 Uhr 55: Sie kommt tatsächlich, genervt keuchend, aber mit Block und Kugelschreiber, nimmt die Getränke auf und versichert, dass das Essen wirklich gleich kommt.

22 Uhr 00: Yeah. Zwei Teller finden ihren Weg aus der Küche auf unseren Tisch.

22 Uhr 02: Ich fasse mir ein Herz und stehe kurz darauf mit meinem Hühnerfilet im Sushi-Style wieder bei der Durchreiche und frag den Koch, ob das sein Ernst sei. “Naja, ich hab gedacht, du hast es eilig”, meint er. “Und da krieg ich dann ein rohes Huhn?” Es wäre jetzt wirklich nicht ganz roh, meint er. “Es ist aber auch wirklich nicht durch”, sag ich. Er will wissen, ob er es jetzt reparieren soll oder ob ich mich jetzt nur beschweren will. Ich sag: “Ich will das jedenfalls nicht essen”. Er nimmt den Teller und verabschiedet sich mit einem herzhaften “Okay, Tschüss!”

22 Uhr 05: Wir hören, dass der Koch der Kellnerin die Geschichte vom zurückgebrachten Huhn erzählt. Ich nehm an, sie würde sich ein bisschen entschuldigen kommen und mich vielleicht fragen, ob ich irgendwas anderes will. Immerhin sitze ich seit eineinhalb Stunden hungrig in ihrem Hinterzimmer. Aber sie beschließt offenbar, zur Sicherheit ab jetzt gar nicht mehr an unseren Tisch zu kommen.

22 Uhr 20: Wir gehen zum Zahlen nach vorne an den Tresen. “Alles zusammen?” will sie wissen. “Alles außer dem Huhn”, sage ich. Ah ja, von der Geschichte hätte sie eh schon gehört. Keine Spur einer Entschuldigung. Ich bin zu baff, um darauf irgendwas zu sagen. Und ich will mir den Sieg über meine Reklamations-Phobie auch nicht durch ein unüberlegtes letztes Wort kaputt machen.

Beim tollen Koch-Kellnerin-Gespann möchte ich mich aber an dieser Stelle doch noch für die Therapie-Doppelstunde bedanken. Leichter hätten sie es mir nicht machen können.

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Eins, zwei, viele

Dienstag, 30. März 2010 21:01

Pünktlich zu Ostern erscheint alljährlich die seltsamste (und vielleicht falscheste) Statistik des Landes. Die der toten Hasen nämlich.

Schon letztes Jahr ging das heilige Land Tirol als Hasenparadies daraus hervor. Gerade einmal zwei Tote galt es zu beklagen. Dicht dahinter: 10 zermantschte  in Vorarlberg. Ein deutliches West-Ost-Gesteige. Möchte man meinen. Jetzt wirft die aktuelle Statistik des VCÖ aber ein völlig neues Licht auf die Sache. Gut, die Opferzahlen konnten in Tirol um bemerkenswerte 100% reduziert werden. Kein einziger Hase musste hier im letzten Jahr sein Leben unter einem Auto lassen. Aber die wahre Überraschung liefert Wien. Völlig überraschend stürmt die Bundeshauptstadt auf Platz zwei der hasen-sichersten Bundesländer.

Österreich: 38.199 (41.035)
Niederösterreich: 21.338 (21.781)
Oberösterreich: 7.587 (8.591)
Burgenland: 4.912 (5.695)
Steiermark: 3.150 (3.597)
Salzburg: 692 (814 )
Kärnten: 512 (473)
Vorarlberg: 7 (10)
Wien: 1 (92)
Tirol: 0 (2)

Und die Spitze liegt sogar in Wurfweite. Zwei platte Hasen aus Salzburg kurz über die Grenze geschupft, und Wien ist offiziell das hasenfreundlichste Bundesland. So kurz vor der Wahl wär das doch mal was.

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Crime Scene Investigation Leopoldstadt

Montag, 8. März 2010 0:11

Bei mir im Viertel ist ganz schön was los. Pratersauna, Fluc, Praterdome. Hier wird’s so schnell nicht langweilig. Auch der Polizei nicht allerdings. Neben wahrscheinlich allerhand Dingen, die ihren Weg nicht in die Medien finden, war das sonntägliche Kettensägenmassaker am Praterstern schon der siebente Crime-Incident seit Anfang Jänner. Das sind allesamt keine Rififi-Verbrechen. Aber das Jahr ja noch so jung…

4. Jänner: Eine Trafik wird überfallen. Der Trafikant greift zur Waffe, der Räuber wird erschossen.

7. Jänner: Bankraub in der Praterstraße. Der Täter kommt nicht weit und wird kurz darauf gefasst.

28. Jänner: Ein Mann versucht, eine Billa-Filiale zu überfallen. Ein Kunde reißt ihm die Waffe aus der Hand. Der Täter kann ohne Beute fliehen.

9. Februar: Bankraub in der Ennsgasse. Als er einen Wachmann sieht, bricht der Täter den Überfall ab und flüchtet mit einem Komplizen. Kurz darauf wird eine Bank in Floridsdorf überfallen. Vermutlich von den beiden.

11. Februar: Ein Casino im Prater wird ausgeraubt. Wenige Tage später werden vier Verdächtige festgenommen.

5. März: Bankraub in der Friedrich Hillegeist Straße. Der Täter entschuldigt sich schon während der Tat bei einer Bankangestellten und geistert daraufhin als sehr “freundlicher” Bankräuber durch die Zeitungen. Er hat sich inzwischen der Polizei gestellt.

7. März: Im Zuge eines Streits am Praterstern greift einer der Kontrahenten zu einer Motorsäge. Insgesamt gibt es vier Verletzte, darunter der Kettensägenmann selbst.

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Killing me softly

Sonntag, 14. Februar 2010 17:46

Sechs Morde soll es auf den Philippinen gegeben haben, nachdem in Karaoke-Bars “My Way” von Frank Sinatra geträllert wurde. Weiß orf.at heute in einem liebevoll aus der New York Times abgeschriebenen Artikel zu berichten. Geschehen sind die Morde wohlgemerkt in einem Zeitraum von 10 Jahren.

Jetzt ist es ja nicht gerade leicht, eine zuverlässige Liste der beliebtesten Karaoke-Songs zu erhalten. Zumindest in einer Liste der PRS for Music, der großbritannischen AKM, rangiert “My Way” allerdings im Jahr 2009 hinter “Waterloo” und “Bohemian Rapsody” auf Platz 3. Knapp vor “I Will Survive” übrigens. Das würde eigentlich ja viel besser zu latenten Mordgelüsten beim Publikum passen und könnte noch unentschlossene Zuhörer bei ihrer Schlächter-Ehre packen.

6 Morde in 10 Jahren, macht einen alle 20 Monate. Wenn täglich in jeder Karaokebar einmal “My Way” gesunden wird und es in Manila etwa 100 solche Bars gibt (alleine 90 haben einen Eintrag im Branchenbuch von Google), dann endet jede 60000. Interpretation von “My Way” mit Exitus.

Die Chance, dass so ein Auftritt der letzte gewesen sein könnte liegt damit etwa halb so hoch wie die, mit einem einzigen Tipp beim österreichischen Lotto einen 5er zu haben. Bei einer Mordrate von 3,82/100000, also einer Wahrscheinlichkeit von 1:27000, innerhalb eines Jahres auf den Philippinen eines gewaltsamen Todes zu sterben, scheint da so ein kleines Liedchen also weiter nicht ins Gewicht zu fallen.

Aus der Distanz betrachtet muss man sich also eigentlich keine Sorgen um den jungen Mann hier machen. Auch wenn man selbst ein kleines Kribbeln in den Fingern spürt.

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